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Ortstermin: Feierliches Gelöbnis vor dem Reichstagsgebäude
Lisa Brüßler
Rückkehr zu alter Tradition

Bereits in ihrer Regierungserklärung Ende Juli hatte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) angekündigt, sie wolle die Bundeswehr "erkennbar und sichtbar in die Mitte unserer Gesellschaft, in die Mitte unserer Städte und Gemeinden" rücken. Dafür hatte sie alle Ministerpräsidenten angeschrieben, um am 12. November, dem Gründungstag der Bundeswehr vor 64 Jahren, bundesweit feierliche Gelöbnisse durchzuführen. Sieben dieser Art fanden vergangene Woche statt - das größte davon auf dem Berliner Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude. An dieser Stelle hatte zuletzt am 20. Juli 2013 ein feierliches Gelöbnis stattgefunden.

Während die Zeremonien in den letzten Jahren eher wenig öffentlichkeitswirksam abgehalten wurden, legten vergangene Woche 400 Rekruten vor dem Reichstagsgebäude ihr Gelöbnis oder ihren Eid ab. Im Beisein geladener Gäste sagte Kramp-Karrenbauer in ihrer Gelöbnisansprache, die Bundeswehr verdiene "die Anerkennung unseres gesamtes Landes" und die "bestmöglichen Rahmenbedingungen, die wir Ihnen in der Politik bieten können". Die Soldaten seien "Staatsbürger in Uniform", deren Treueversprechen für Recht und Freiheit Deutschland lebenswert mache, sagte sie. Nach dem Willen der Verteidigungsministerin sollen die Gelöbnisse nun jedes Jahr am 12. November öffentlich stattfinden.

Als Ehrengast sprach Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU). Er betonte die besondere Bindung des Bundestages an die Armee und - umgekehrt - die besondere Abhängigkeit der Streitkräfte von den parlamentarischen Entscheidungen. Er begrüßte das Abhalten öffentlicher Gelöbnisse, da diese den "notwendigen Rückhalt für Ihren Auftrag" gäben. Angesichts der wachsenden Aufgaben der Bundeswehr, brauche es diesen "mehr denn je", sagte Schäuble. Er versprach den Soldaten, dass das Parlament Einsatzentscheidungen nicht leichtfertig treffe.

Den Rahmen für das feierliche Gelöbnis bildeten das Wachbataillon beim Bundesministerium der Verteidigung und das Stabsmusikkorps der Bundeswehr. Der Ablauf beim Ablegen von Diensteid und Gelöbnis ist grundsätzlich gleich: Zunächst ziehen die Rekruten ein und nehmen Aufstellung, dann erfolgt der Einmarsch der Truppenfahne zu einem traditionellen deutschen Armeemarsch. Nach Ansprachen werden weitere Musikstücke gespielt, woraufhin die Träger der Truppenfahne gemeinsam mit Abordnungen der Rekruten vortreten. Das Gelöbnis nimmt der Kommandeur ab. Darin geloben die Soldaten, die freiwilligen Wehrdienst leisten, während die Zeit- und Berufssoldaten schwören. Dies geschieht durch die Worte: "Ich gelobe/schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen." Der Satz "So wahr mir Gott helfe" kann angefügt werden. Danach werden die National- oder Landeshymne gesungen. Bei zentralen Veranstaltungen wird zudem die Europahymne gespielt, bevor der Ausmarsch von Truppenfahne, Ehrenformation und der Abmarsch der Gelöbnisaufstellung der Rekruten erfolgt.Lisa Brüßler

Aus Politik und Zeitgeschichte

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