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Claus Peter Kosfeld
Ein Drittel des Landes ist Wald

Knapp die Hälfte der deutschen Wälder befindet sich in Privatbesitz

Deutschland ist unzweifelhaft ein Industrieland und gleichwohl in der Fläche immer noch weitgehend geprägt von Wald, Wiesen und Feldern. Waldgebiete erstrecken sich auf insgesamt 32 Prozent der Gesamtfläche oder 11,4 Millionen Hektar. Somit ist rund ein Drittel des Landes bewaldet, weitere 52 Prozent der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt, auf 13 Prozent erstrecken sich Siedlungen und die Trassen für den Verkehr.

Bekannte Wälder Die Waldgebiete sind in Deutschland nicht gleichmäßig verteilt. So kommen Hessen und Rheinland-Pfalz auf einen Waldanteil von jeweils 42 Prozent und liegen damit ganz vorne in der Liste der Bundesländer. Auch im Saarland (40 Prozent), in Baden-Württemberg (38 Prozent) und Bayern (37 Prozent) ist überdurchschnittlich viel Wald zu finden. Schleswig-Holstein verfügt mit einem Anteil von nur elf Prozent hingegen über die kleinste Waldfläche aller Bundesländer. Auch in Mecklenburg-Vorpommern (24 Prozent), Niedersachsen (25 Prozent), Sachsen-Anhalt (26 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (27 Prozent) steht vergleichsweise wenig Wald.

Große, bekannte Waldgebiete sind an vielen Stellen Deutschlands zu finden und stehen mit ihrem Namen für Geschichte und Geschichten: Der Bayerische Wald etwa, der Schwarzwald, der Spessart, die Sächsische Schweiz, der Teutoburger Wald oder der Reichswald am Niederrhein. Viele Waldgebiete stehen unter Naturschutz oder sind in Teilen als Nationalparks ausgewiesen. Der Hainich in Thüringen mit seinem alten Buchenbestand gehört sogar zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Kleinbauern und Altadel Knapp die Hälfte der gesamten Waldfläche Deutschlands (48 Prozent) befindet sich in Privatbesitz. Weitere 29 Prozent gehören den Ländern, 19 Prozent sind im Eigentum von Körperschaften, lediglich vier Prozent des Waldgebietes gehören dem Bund.

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) beziffert die Zahl der privaten und körperschaftlichen Waldeigentümer auf zwei Millionen, wobei der Privatwald eher kleinteilig strukturiert ist. Nach Angaben des Verbandes teilen sich Betriebe mit weniger als 20 Hektar rund die Hälfte der privat bewirtschafteten Waldfläche. Lediglich 13 Prozent des Privatwaldes gehören zu Betrieben in einer Größenordnung von mehr als 1.000 Hektar Fläche. Die stark zersplitterten Eigentumsstrukturen gehen auf historisch und regional unterschiedliche Entwicklungen zurück. Mit der bäuerlichen Besiedelung oder durch Erbteilung gelangten oft auch sehr kleine Waldflächen in Privatbesitz.

Illustre Namen Die größten Privatwälder befinden sich nach wie vor im Eigentum alter Adelsfamilien. So bewirtschaftet der Forstbetrieb der Familie Thurn und Taxis eine Waldfläche von rund 20.000 Hektar, verteilt auf die Länder Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen. Das Haus Thurn und Taxis ist damit der größte private Waldbesitzer in Deutschland.

Auch die Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern verfügt in Bayern und vor allem in Baden-Württemberg über ausgedehnte Waldflächen von insgesamt 15.000 Hektar. Die Forstbetriebsfläche umfasst allein in Baden-Württemberg 12.800 Hektar. Die Adelsfamilie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg besitzt seit Jahrhunderten ausgeprägte Waldflächen. Die "Wittgenstein-Berleburg'sche Rentkammer" ist nach eigenen Angaben der Familie der größte private Forstbetrieb in Nordrhein-Westfalen und verwaltet rund 13.100 Hektar Fläche. Der Forstbetrieb produziert Holz für die heimische Wirtschaft sowie für den weltweiten Export.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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