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PARTEIEN
Sören Christian Reimer
Die Parteien von Churchill, Thatcher und Blair

Labour und Tories geben den Ton an. Die kleineren Parteien setzen eigene Akzente

Das politische Geschehen Großbritanniens wird seit Jahrzehnten von zwei Parteien dominiert: die Conservative Party und die Labour Party. Über die Jahre hat das Mehrheitswahlrecht in der Regel für klare Verhältnisse gesorgt, Koalitionen spielten keine Rolle. Das hat sich in den vergangenen Jahren geändert.

Tories Auf eine lange Tradition blickt die mitte-rechts-orientierte Conservative Party zurück. Sie entstand in den 1830er Jahren, ihre Ursprünge gehen auf eine Tory Party genannte Gruppierung zurück - so etablierte sich Tories als Name. Zu den prägenden Spitzenpolitikern der Partei gehört neben Winston Churchill (1874-1965), der das Königreich zweimal als Premierminister (1940-1945, 1951-1955) führte, Margaret Thatcher (1925-2013). Thatcher münzte als Premierministerin (1979-1990) den Begriff des "Thatcherismus". Ihre Politik der Deregulierung und Privatisierung gegen den Widerstand der Gewerkschaften machte sie zur Ikone aufstrebender Konservativer der 1980er Jahre - und zur Hassfigur der politischen Linken.

Labour Die Labour Party, gegründet 1900, entwickelte sich nach dem Ersten Weltkrieg zur zweiten dominanten Kraft der britischen Politik. In ihr vereinten sich gewerkschaftliche, sozialistische und sozialdemokratische Strömungen. Prägend war die Partei beispielsweise unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, als unter Premierminister Clement Attlee (1883-1967), der von 1945 bis 1951 regierte, der Wohlfahrtsstaat ausgebaut und Schlüsselindustrien verstaatlicht wurden. Ende der 1990er-Jahre brach die Partei unter Tony Blair, der von 1997 bis 2007 als Premier regierte, mit allzu linken Konzepten ("New Labour"). In den vergangenen Jahren lähmte sich Labour mit Richtungsstreitigkeiten, einer unklaren Haltung zum Brexit und Antisemitismus in der Partei.

Fokus EU Die Liberal Democrats, 1993 als Fusion der ehemals bedeutsamen Liberal Party sowie der Social Democratic Party gegründet, feierten bei den Unterhauswahlen 2010 einen großen Erfolg. Die Lib Dems gingen in eine Koalition mit der Conservative Party, bei der nächsten Wahl schmierte die Partei ab. Mit ihrem pro-europäischen Kurs wurden die Lib Dems bei der Europawahl 2019 zweitstärkste Kraft. Stärkste Kraft wurde allerdings die 2019 gegründete Brexit-Partei um Nigel Farage. Farage hatte zuvor über Jahre mit der UK Independence Party (UKIP), 1993 gegründet, einen harten EU-skeptischen Kurs gefahren und vor allem bei Europawahlen gepunktet.

Regionale Parteien Auch den regionalen Parteien kommt wachsende Bedeutung zu: Die protestantische Democratic Unionist Party aus Nordirland, gegründet 1971, spielte in jüngster Zeit eine große Rolle im Ringen um den Brexit (siehe Text oben). Die katholische Sinn Féin, 1905 gegründet, tritt zwar zu Unterhauswahlen an, nimmt aber die Sitze nicht an, um nicht auf die britische Königin schwören zu müssen. Die 1934 gegründete Scottish National Party tritt für eine Unabhängigkeit Schottlands und die Mitgliedschaft in der EU ein. Sie dominiert das schottische Parlament und stellt die mit Abstand größte Partei Schottlands im britischen Unterhaus. scr

Aus Politik und Zeitgeschichte

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