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Aufgekehrt
Alexander Weinlein
Siegen lernen von Karl

Armin Laschet gilt als Bewunderer Karl des Großen. Das gehört sich auch so für einen Politiker, der am Rhein residiert und der in Aachen, der ehemaligen Kaiserpfalz des fränkischen Herrschers, geboren wurde. Vor allem dann, wenn man sich zu höheren Ämtern berufen fühlt. In der Staatskanzlei in Düsseldorf hat der nordrhein-westfälische Landesvater sogar eine goldene Karls-Büste aufstellen lassen. Da trifft es sich gut, dass Laschets Bruder Patrick einen detaillierten Stammbaum erstellt hat, der über 40 Schritte von den Laschet-Brüdern bis zum großen Frankenkönig reicht.

Bei einem so berühmten Vorfahren in der Ahnengalerie sollte Laschets Bewerbung um den CDU-Vorsitz eigentlich ein Selbstläufer sein. Zumindest demonstrierte Karl der Große recht eindrucksvoll - wenn auch recht brachial -, wie man mit den renitenten Sachsen umzuspringen hat. Dieser germanische Stamm siedelte damals nicht etwa zwischen Dresden und Leipzig, sondern im heutigen Niedersachsen und jenen Teilen Nordrhein-Westfalens, zu denen auch das Sauerland gehört, das Laschets Mitbewerber Friedrich Merz seine Heimat nennt.

In Acht nehmen vor dem Aachener sollte sich auch Markus Söder. Sonst könnte es ihm ergehen wie einst Tassilo III.. Als dieser bayerische Herzog sich permanent weigerte, Karl bei seinen Eroberungsfeldzügen zu unterstützen, und schließlich gar mit dem Feind gemeinsame Sache machte, rückte der Franke kurzerhand in Bayern ein, steckte Tassilo ins Kloster und gliederte das Herzogtum in sein Reich ein. Vorbei war es mit der bayerischen Eigenständigkeit. Von Karl dem Großen lernen, heißt eben siegen lernen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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