Vor 20 Jahren : Erste Frau an der Spitze
Am 22. November 2005 wählt der Bundestag Angela Merkel zur ersten Bundeskanzlerin. 16 Jahre lang sollte die CDU-Politikerin letztlich die Amtsgeschäfte leiten.
"Das ist ein starkes Signal für viele Frauen, und für manche Männer sicherlich auch." Mit launigen Worten gratulierte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) der ersten Kanzlerin in der Geschichte der Bundesrepublik.
Historischer Tag: Mit Angela Merkel (l.) wurde am 22. November 2005 die erste Frau ins Amt der Bundeskanzlerin vereidigt. Bundestagspräsident Norbert Lammert nahm ihr den Amtseid ab.
Am 22. November 2005 wurde Angela Merkel (CDU) zum ersten Mal vom Bundestag zur Regierungschefin gewählt. Bis zum Herbst 2021 sollten drei weitere Amtszeiten folgen. 397 der 614 Abgeordneten stimmten in der geheimen Wahl für die damals 51-Jährige. Damit fehlten rund 50 Stimmen aus den eigenen Reihen: Die große Koalition, die Merkel geschmiedet hatte, verfügte über 448 Sitze.
Eine hohe Arbeitslosigkeit prägte Merkels erste Amtszeit
"Der ehrliche Umgang mit den Bürgern soll zum Markenzeichen der großen Koalition werden", versprach Merkel. Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Klimakrise und Corona-Krise lagen indes noch in weiter Ferne. Merkel wurde in einer Zeit Kanzlerin, als in Deutschland die Arbeitslosigkeit eines der größten Probleme war. "Die Regierung wird in vier Jahren daran gemessen werden, ob sie es geschafft hat, in der Frage der Arbeitslosigkeit und der Arbeitsplätze Fortschritte zu erzielen", umschrieb Merkel einen Schwerpunkt ihrer Amtszeit.
Auch außenpolitisch war es eine andere Zeit. In Europa hießen die Staats- und Regierungschefs Jacques Chirac, Tony Blair oder Silvio Berlusconi. Im Weißen Haus saß George W. Bush. Nur in Russland war auch damals schon Wladimir Putin Präsident. Er beglückwünschte Merkel als erster ausländischer Staatschef und betonte: Er hoffe auf eine Vertiefung der strategischen Beziehungen beider Länder.
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