Inhalt

Ortstermin: Die U-Bahn-STation »Bundestag«
Lisa Brüßler
Aus der U55 wird die U5

Sie hat viele Namen. Die Berliner U-Bahn-Linie 55 wird mal als Kanzler-U-Bahn, als Mini-Bahn und auch als "Stummelzug" bezeichnet. Der Grund: Hauptbahnhof, Bundestag, Brandenburger Tor - mit zweieinhalb Minuten Fahrzeit für drei Stationen auf 1,5 Kilometern ist eine Fahrt mit der U55 eine der kürzesten Europas. Noch zumindest. Denn die U55 soll im Jahr 2020 in die Linie U5 übergehen. Wer dann am Berliner Hauptbahnhof einsteigt, sieht an der Wagenanzeige nicht mehr "Brandenburger Tor" geschrieben, sondern "Hönow".

Dass die Station im Parlaments- und Regierungsviertel "Bundestag" und nicht "Reichstag" heißt, geht auf den Ältestenrat zurück. Dieser argumentierte, dass der Name der Lage besser gerecht werde, da sich der Bahnsteig vor dem Paul-Löbe-Haus des Bundestags befinde. Der U-Bahnhof wurde vom Architekten des Kanzleramtes, Axel Schultes, entworfen. Die acht Meter hohe Halle in der Sichtbeton und Oberlichter mit Tageslicht dominieren, gehört zu den außergewöhnlichsten U-Bahnhöfen Berlins. So außergewöhnlich, dass die Station während der Baustopps als Veranstaltungs- und Filmdrehort diente. Sogar Mozarts Zauberflöte schallte schon durch die Hallen.

Der Bau der Linie, das Verbinden der zentralen Mitte mit dem Osten der Stadt, geht auf Altkanzler Helmut Kohl (CDU) zurück. Der Bau wurde im Hauptstadtvertrag von 1994 geregelt. Kanzler-U-Bahn wird sie genannt, weil Kohl persönlich am 13. Oktober 1995 den ersten Spatenstich für die Linie setzte. Die Wirtschaftlichkeit und Notwendigkeit der Strecke wurden in den Jahren des Baus, und auch wegen der entstandenen Mehrkosten, immer wieder infrage gestellt. Eröffnet wurde die Drei-Stationen-Strecke am 8. August 2009 um 11.05 Uhr - eigentlich sollte das Projekt schon zur Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2006 fertig gestellt sein.

"Ab Anfang Juni 2020 werden erstmal keine Züge mehr auf der Strecke rollen", sagte Stephanie Niehoff, Sprecherin der Projektgesellschaft der U5 der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Ende des Jahres soll dann die verlängerte U-Bahnlinie 5 ihre erste Fahrt aufnehmen. Die Unterbrechung ist nötig, weil Probefahrten für Prüfungen, die Inbetriebnahme der Zugsicherungsanlagen, sowie für die Abnahme der neuen Anlage durch die Technische Aufsichtsbehörde nötig sind. Im Herbst sollen dann erste Einweisungsfahrten für zukünftige Fahrer stattfinden.

Diese lernen dabei den 2,2 Kilometer langen Lückenschluss zum Alexanderplatz und die neuen Stationen "Unter den Linden", "Museumsinsel" und "Rotes Rathaus" kennen - allesamt Touristenmagnete. "Der U-Bahnhof Museumsinsel wird voraussichtlich erst im Sommer 2021 eröffnet", kündigte Niehoff an. Wegen der Lage unter dem Spreekanal ist dieser Bauabschnitt besonders anspruchsvoll. Und noch eine Neuerung gibt es: Nicht nur der Name "U55" gehört bald den Geschichtsbüchern an. Elf Jahre nach der ersten Fahrt werden auch die eingesetzten historischen "Dora"-Wagen den modernen BVG-Waggons weichen. Bleibt abzuwarten, ob der Name "Kanzler-U-Bahn" trotzdem bleibt.Lisa Brüßler

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag