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Entwicklung
Johanna Metz
Hilfe für wachsende Städte in Afrika

Um das massive Städtewachstum in Afrika zu gestalten, braucht es nach Ansicht von Experten neue Finanzierungsquellen, eine enge Kooperation mit lokalen Akteuren und passgenaue Handlungsansätze. Bis 2050 werde ein Anstieg des Verstädterungsgrads in Afrika auf durchschnittlich 60 Prozent prognostiziert, betonte der Geograf Rainer Rothfuß vergangene Woche in einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Daher sei es wichtig, die örtlichen Verwaltungen mit stadtplanerischer Expertise zu unterstützen. Die ländliche Entwicklung müsse neue Dynamik bekommen, etwa durch Landbesitzreformen und den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur.

Martin Dirr von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) legte wie viele Experten das Augenmerk auf die informellen Siedlungen und Sektoren, die eine große Bedeutung für Arbeit und Versorgung der städtischen Bevölkerung hätten. Es sei nicht zielführend, die Siedlungen der Armen abzureißen und neue Wohnungen zu bauen, urteilte Dirr. Es brauche integrierte Konzepte.

Auch die Städtebauexpertin Astrid Ley (Universität Stuttgart) sagte, die schrittweise Aufwertung informeller Siedlungen sei besser, als deren Abriss und Neubau. Die Urbanisierung in Afrika sei außerdem "nicht per se ein schädlicher Prozess". Es bestünden viele Möglichkeiten, die Entwicklung zu gestalten, insbesondere durch die Förderung der kleinen und mittleren Städte, die den Druck in den Megacities in Teilen abschwächen könnten. Ähnlich äußerte sich der Berliner Stadtplaner Thomas Stellmach. Er sprach außerdem von einem "riesigen Potenzial" für private Investoren.

Unklare Kompetenzen Yvonne Aki-Sawyerr, Bürgermeisterin von Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone, berichtete von einer "chaotischen Entwicklung" in ihrer Stadt. Die Kommunen könnten ihre Aufgaben oft nicht erfüllen, weil es an Geld, Personal und klaren Verantwortlichkeiten fehle. So obliege die Landnutzungsplanung sowie die Vergabe von Baugenehmigungen der Zentralregierung.

Der Gründungsdirektor des African Centre for Cities (ACC) im südafrikanischen Kapstadt, Edgar Pieterse, beklagte, dass existierende Institutionen, wie Stadtplanungsinstitute an Universitäten, von vielen afrikanischen Regierungen nicht unterstützt würden. So gebe es wegen mangelnder Finanzierung kaum die Möglichkeit zur Zusammenarbeit, auch die Zivilgesellschaft würde nicht einbezogen.

François Menguelé von der GIZ in Kairo forderte "menschenzentrierte Prozesse. Die Behörden sollten das nicht allein machen" Er verwies auf einen Dialog der GIZ mit Bewohnern informeller Siedlungen in Kairo, der auf großes Interesse gestoßen sei.

Mit Blick auf China, das seit vielen Jahren auf dem afrikanischen Kontinent aktiv ist und dort etwa Infrastrukturprojekte realisiert, regten die Experten einen Austausch an. Es brauche trilaterale Gespräche, in denen man diskutieren und von den Erfahrungen des anderen profitieren könne, sagte Marie Huchzermeyer von der Witwatersrand University in Johannesburg (Südafrika). Edgar Pieterse betonte, China habe seine Strategie in Afrika seit einigen Jahren angepasst und auf lokale Kritik reagiert. Für Deutschland und die Europäer bestehe die Chance, auf dem Kontinent zusammenzuarbeiten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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