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Ortstermin: Die Ausstellung Shared history
Lisa Brüßler
Von dunklen Kapiteln und friedlichem Miteinander

Die silbernen Stangen, an denen Glastafeln befestigt sind, sind nicht zufällig gewählt: Sie verbinden die Abbildungen und Objekte der Ausstellung "Shared History: 1.700 Jahre jüdisches Leben im deutschsprachigen Raum" vom Leo Baeck Institute im Paul-Löbe-Haus des Bundestags und damit die deutsch-jüdische Geschichte. An einem Punkt wird die Verbindung gestoppt von einer schwarzen Wand - bei Exponaten aus den 1930er und 40er Jahren, die an den Zivilisationsbruch des Holocaust erinnern.

Die Botschaft der Ausstellung: Der Weg dahin, dass jüdisches Leben in seiner Vielfalt Bestandteil der deutschen Gesellschaft ist, war gezeichnet von Rückschlägen und Brüchen wie Diskriminierung, Ausgrenzung und Entrechtung, aber auch von Zeiten lebendigen Miteinanders, Austauschs und gesellschaftlichen Aufstiegs. "Würden wir uns dieses Jubiläums überhaupt erinnern, wenn es den Zivilisationsbruch von Auschwitz nicht gegeben hätte? Wenn sich jüdisches Leben zu einer unhinterfragten Normalität entwickelt hätte, wie es sich die Juden vor 1933 erhofft hatten?", fragte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) bei der virtuellen Eröffnung Ende Januar.

1.700 Jahre Geschichte und deutsch-jüdische Stimmen lassen sich schwer über einzelne Dinge zusammenfassen, erklärt Miriam Bistrovic vom Leo Baeck Institute Berlin. "Deswegen haben wir auch viele Objektive gewählt, die verschiedene Themen symbolisieren, die auch immer wiederkehren in der Geschichte", sagt sie. So seien Exponate Teil der Ausstellung, die erst in den letzten zehn, fünfzehn Jahren wiederentdeckt wurden. Andere Stücke seien zu sehen, weil sie aktiv gerettet wurden von Nicht-Juden, sagt sie weiter.

In der Ausstellung findet sich etwa eins der ersten Dokumente, das eine jüdische Gemeinde im Gebiet des deutschsprachigen Raums erwähnt: Ein Edikt aus dem Jahr 321 des römischen Kaisers Konstantin des Großen. Als Antwort auf eine Frage des Stadtrates von Köln erlaubte es Juden dort, öffentliche Ämter zu bekleiden. Weitere Stücke zeigen etwa einen Goldohrring aus dem 11. Jahrhundert - einer Zeit, in der Juden und Christen gemeinsam in einer Kölner Goldschmiede kreativ waren. Auch die Alte Synagoge in Erfurt ist abgebildet, die vor dem Pogrom Mitte des 14. Jahrhunderts eine der lebendigsten jüdischen Gemeinden im deutschsprachigen Raum beheimatete und zu den ältesten und am besten erhaltenen Synagogen in Mitteleuropa zählt. Der silberne Zeitstrahl führt weiter über die "Simson-Schwalbe" in den 1950er Jahren und einen Stolperstein für Anne Frank in Aachen bis in die Gegenwart.Lisa Brüßler

Solange die pandemiebedingten Besuchseinschränkungen im Bundestag gelten, empfiehlt sich ein virtueller Besuch der Ausstellung unter:https://sharedhistoryproject.org Sollten die Einschränkungen aufgehoben werden, kann die Ausstellung bis zum 23. April 2021 nach vorheriger Anmeldung montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr besucht werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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