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Aufgekehrt
Claus Peter Kosfeld
Sechs Meter für ein neues Glück

Was ist der Unterschied zwischen dem Mars und dem Bundestag? Oben sind noch Plätze frei! Das ist im Superwahljahr eine Erwähnung wert, denn das Feilschen um freie Plätze im Parlament hat längst begonnen und wird härter geführt denn je. Neuerdings müssen Parlamentarier sogar versichern, dass niemand die Absicht hat, sich mit dem Mandat zu bereichern, zumindest nicht so offenkundig und üppig wie sonst. Nicht, dass die Parole: Erst ich, dann ich und am Ende ich zum Wohl des deutschen Volkes verbreitet wäre, aber bei einigen Volksvertretern wird, sagen wir mal, mitten in der Pandemie neben der Gesundheits- auch die Wirtschaftskompetenz deutlich.

Was hat das mit dem Mars zu tun? Der frühe Vogel fängt den Wurm oder anders gesagt, das Flugwesen entwickelt sich! Der rote Planet hat alles, wovon wir träumen: Bodenschätze, Frieden, Ruhe, keine Viren. Kein Wunder, dass Chinesen, Querdenker, Lehramtsstudenten, Musk und findige Abgeordnete jetzt alle hoch wollen. Claim abstecken, Flagge in den Boden rammen, Selfie, fertig ist die galaktische Ich-AG. Noch liegen die Preise für Bauland mit Erdblick unter Grunewald-Niveau, aber wie lange noch?

Details sind noch zu klären, die NASA ist aber schon dran und hat den Mars-Rover "Perseverance" hochgeschickt. Das Vehikel mit dem Charme eines Fischertechnik-Baukastens aus den 1970er Jahren hat gleich gezeigt, dass große Visionen wichtiger sind als große Entfernungen. Das Forscher-Cabrio ist 472 Millionen Kilometer durch das All befördert worden, um oben 6,5 Meter durch eine Steinwüste zu rollen! Sechseinhalb Meter! In 33 Minuten - und ganz ohne Tankstelle!Claus Peter Kosfeld

Aus Politik und Zeitgeschichte

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