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KULTUR
Alexander Weinlein
Kulturelle Identität im Fokus

Die AfD sieht die deutsche Kultur, Sprache und somit die kulturelle Identität der Deutschen als bedroht an. Ganz oben auf der Liste der Bedrohung verortet sie beispielsweise die Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache oder die "Denunzierung des eigenen Herkommens und der eigenen Geschichte" durch einen vermeintlich verengten Blick auf die NS-Zeit und die deutsche Kolonialzeit, der eine "Schuld- und Schamkultur" produziere. Am Donnerstag debattierte der Bundestag nun über zwei Anträge der AfD-Fraktion (19/26764, 19/28794), mit der sie die aus ihrer Sicht bedrohte deutsche Kultur retten möchte. So fordert sie einen "Nationalen Aktionsplan Kulturelle Identität" sowie die Einrichtung einer "Deutschen Akademie für Sprache und Kultur", die nach dem Vorbild der Académie française in Frankreich über die "Bewahrung und Pflege der deutschen Sprache und Kultur wachen soll", wie der kulturpolitische Sprecher der AfD-Fraktion Marc Jongen ausführte. Der Nationale Aktionsplan wiederum soll sich neben den Bereichen Sprache und Bildung der Erinnerungskultur und dem Schutz von Denkmälern, historischen Bauten und Museumsbeständen annehmen.

Bei allen anderen Fraktionen handelte sich die AfD für ihre Anträge ein klares Nein ein - mitunter auch Hohn und Spott. So konterte der SPD-Kulturpolitiker Helge Lindh das Ansinnen der AfD mit der Abwandlung eines berühmten Zitats aus Goethes "Faust": "Habe nun, ach, Deutsch, Geschichte und Kultur und Politik gar durchaus studiert, mit heißem Bemüh'n. Da steh' ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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