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Parlamentarisches Profil
Jan Rübel
Der Geowissenschaftler: Heiko Wildberg

Heiko Wildberg beschreibt das aus seiner Sicht desaströse Bild in einem gelassenen Ton. "Man hat vergessen, Photovoltaik und Windenergie grundlastfähig zu machen", sagt er am Telefon, "und nicht hinreichend zu Speicherkapazitäten geforscht". Die regenerativen Energien, ansonsten in der Gesellschaft weithin Renner und Hoffnungsträger zugleich, rutschen damit in der Gunst des AfD-Bundestagsabgeordneten weit nach unten.

Wildbergs Fraktion hat drei Anträge gestellt, sie alle drehen sich darum, die Schrauben auf eine Zeit zurückzudrehen, die vor der "Energiewende" herrschte. Ein Antrag fordert das Aus für das Erneuerbare-Energien-Gesetz, ein anderer den Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Kohleverstromung und der dritte die Herstellung synthetischer Treibstoffe wie Wasserstoff mit Kernenergie. In dieser Woche kurz vor der Sommerpause wird vieles verhandelt, die Debatten und Abstimmungen sind streng getaktet. Alle drei Anträge der AfD werden abgelehnt, geht die Mehrheit des Bundestages doch von etwas aus, das Wildberg bestreitet: Dass der Klimawandel menschengemacht ist.

"Jeder Geowissenschaftler weiß um die Klima- und Temperaturschwankungen von vor der Industriegesellschaft", sagt der Abgeordnete aus dem Wahlkreis Südpfalz. "Es gibt keinen Faktor beim aktuellen Klimawandel, der nicht natürlich erklärbar wäre." Der 69-Jährige ist vom Fach. Er studierte Geowissenschaften und promovierte darin. Dass er indes mit seinem Standpunkt einer überwältigenden Mehrheit der zum Klimawandel Forschenden gegenübersteht, ficht ihn nicht an. "Ein wissenschaftlicher Konsens ist nicht da", sagt er. "Es werden immer nur die gefragt, die auf Linie sind. Eine Gruppe von Wissenschaftlern wird weitestgehend ausgegrenzt, und zwar die Geowissenschaftler." Sätze wie diese kommen häufiger aus seiner Partei, zum Beispiel wenn es um die Rolle des Weltklimarates geht.

In seiner Partei verordnet sich Wildberg als "liberal-konservativ". "Ich bin national, nicht nationalistisch." In der Tat blickt er auf eine lange Wegstrecke in der Politik hin. Er stammt aus einer bürgerlichen Familie aus CDU-Wählern im norddeutschen Wilhelmshaven, wurde auch Mitglied bei den Christdemokraten. Aus Enttäuschung über die Naturschutzpolitik von CDU und auch SPD aber wandte er sich den Grünen zu, wurde Ende der 1980er Jahre dort Mitglied. Und ging in die Politik. Von 1991 bis 2001 war er hauptamtlicher Kreisbeigeordneter im Landkreis Germersheim, das ist eine Art Vize-Landrat. Dort kümmerte er sich um Kommunales: um Abfallwirtschaft, Katastrophenschutz, Fischereiwesen und natürlich um Naturschutz.

Doch in den Nullerjahren stieß sich Wildberg zunehmend am "Einwanderungsgedanken" der Grünen, wie er sagt, die "Beraubung unserer kulturellen Identität".

Die Regierungspolitik unter Kanzlerin Angela Merkel zum Euro und zur Einwanderung brachte ihn schließlich zur AfD. Wer hat sich mehr verändert - er oder die Parteien? "Beides ist der Fall. Mit wachsender Lebenserfahrung wird man schlauer, aber die Parteien haben mich links überholt."

Wildberg sieht sich als Konservativen, er würde gewiss eine Kontinuität in seiner politischen Entwicklung sehen. Da drängt sich die Frage auf, ob er befürchtet, von der AfD rechts überholt zu werden. Er stockt für einen Moment. "Ich werde meinen Einfluss ausüben, damit die AfD eine liberal-konservative Partei bleibt", antwortet er. Um als Liberal-Konservativer in der AfD zu bestehen, müssen gewisse parteiinterne Entwicklungen ausgeblendet werden. Und die Beobachtung durch den Verfassungsschutz in einigen Bundesländern? "Die Grenzen meines politischen Handelns definiert die Verfassung." Er eilt los, zur nächsten namentlichen Abstimmung.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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