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Ortstermin: Nachrichtenwerk Fulda
Denise Schwarz
Zu Besuch bei »leicht erklärt!«

Seit August 2014 gehört die Beilage "leicht erklärt!" zu jeder Ausgabe dieser Zeitung. In Leichter Sprache behandelt sie die wichtigsten Aspekte eines politisch relevanten Themas. Doch was genau ist Leichte Sprache? "Es handelt sich hierbei um eine vereinfachte Variante des Deutschen, die mit der ganz konkreten Zielsetzung entwickelt wurde, für Menschen mit kognitiven Einschränkungen möglichst einfache, verständliche Texte zu produzieren", erklärt Bastian Ludwig, Texter bei "leicht erklärt!" und Redaktionsmitglied des Nachrichtenwerks Fulda, das seit 2013 mit Leichter Sprache arbeitet. Gerade bei abstrakteren Themen wie der Datenschutzgrundverordnung, bei denen kein direkter Bezug zum Alltag der Leserschaft existiert, sei eine Erklärung in Leichter Sprache nicht immer ganz einfach.

In den 1990er Jahren aus der Praxis heraus entwickelt, passt sich die Leichte Sprache den Bedürfnissen ihrer Zielgruppe an. Kurze Sätze, das Trennen langer Worte durch einen Bindestrich und das Vermeiden von Redewendungen sind nur drei von zahlreichen Regeln und Empfehlungen, die das Textverständnis von Menschen mit kognitiven Einschränkungen fördern sollen. Manche Regeln, wie das strikte Vermeiden des Genitivs, haben sich über die Zeit als zu restriktiv herausgestellt, erklärt Ludwig. Einige Genitive seien durchaus verständlich und fänden daher immer öfter den Weg in die Leichte Sprache. Um sicherzustellen, dass sich die Sprachvariante stets an die Anforderungen ihrer Leser anpasst, lautet die oberste Prämisse der Leichten Sprache, Texte immer durch Personen der Zielgruppe prüfen zu lassen.

Bei "leicht erklärt!" übernehmen diese Aufgabe aktuell fünf Prüferinnen. "Erst hatte ich Zweifel, ob ich für die Arbeit geeignet bin, da ich keine Erfahrung mit politischen Themen habe", erklärt Rahel, der jüngste Zuwachs im Team. Doch die Aufgabe mache viel Spaß und helfe ihr dabei, das Lesen nicht zu verlernen. Zusammen mit Annika, die seit sieben Jahren für "leicht erklärt" prüft, macht sie sich direkt an die Arbeit. In einer ersten Stillleserunde markieren sie alles, was ihnen auffällt. Anschließend bespricht die Redaktion den Text Satz für Satz. Kritisch machen die Prüferinnen dabei auf Worte und Ausdrücke aufmerksam, die sie nicht verstehen oder deren Zusammenhang ihnen unklar ist, sie merken aber auch an, wenn ihnen ein Ausdruck zu einfach vorkommt. Ob "Es wird geguckt" nicht durch "Es wird untersucht" ersetzen werden könnte, wirft Rahel ein. Gut zwei Stunden dauert die Prüfungssitzung, an deren Ende alle zufrieden auf ihre vollmarkierten Texte blicken.Denise Schwarz

Aus Politik und Zeitgeschichte

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