Inhalt

Vor 65 Jahren...
Benjamin Stahl
Strauß erhält Wunsch-Ressort

16.10.1956: Adenauers große Kabinettsreform. Es war ein noch nie dagewesener Akt in der jungen Geschichte der Bundesrepublik: Am 16. Oktober 1956 stellte Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) sein Kabinett in großem Stil um. Prominentestes Opfer der Rochade war Verteidigungsminister Theodor Blank (CDU), der von Franz Josef Strauß (CSU) abgelöst wurde.

Adenauer regierte mit einer Koalition aus Union, FDP, DP und Bund der Heimatvertriebenen (BHE). Schon 1955 schied der BHE aus dem Bündnis aus, 1956 folgte die FDP - eine Abspaltung der Liberalen blieb unter dem Namen FVP in der Regierung. Daher kam es zu einem Ungleichgewicht im Kabinett: Die 15-köpfige FVP-Fraktion stellte vier Minister, während die CSU mit 52 Mandaten nur drei Minister hatte. So tauschte Adenauer vier Kabinettsmitglieder aus. Dass Blank für Strauß Platz machen musste, lag auch daran, dass sich die Pläne des CDU-Manns für den Aufbau der Bundeswehr nicht realisieren ließen. Sein ehrgeiziges Ziel: eine 500.000 Mann starke Armee binnen drei Jahren. So bekam Strauß, bislang Minister für Atomfragen, sein Wunsch-Ressort - obwohl ihm Adenauer einmal angekündigte hatte, nie Verteidigungsminister zu werden, solange er Kanzler sei.

In der ersten Sitzung des neuen Kabinetts forderte Adenauer vom neuen Justizminister Hans-Joachim von Merkatz (DP), dass "Gesetzentwürfe künftig in einer flüssigeren Sprache abgefaßt werden sollten". Mit Blick auf Strauß betonte er, "daß keine umwälzende Änderung der Verteidigungspolitik der Bundesregierung beabsichtigt sei".

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2021 Deutscher Bundestag