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Aufgekehrt
Claus Peter Kosfeld
Shopping für das Klima

Shopping ist in, auch unter Politikern. Wenn eine neue Regierung gebildet wird, ist öfter von Kassensturz zu lesen. Übersetzt in privatwirtschaftliches Alltagsdeutsch bedeutet das: Wir gucken mal, was noch übrig ist bis Monatsende. Bei der Gelegenheit fahnden die Koalitionäre gleich nach den beliebten Schattenhaushalten, den geheimen Gelddepots des Staates, anders gesagt: Was steckt noch in Omas Sparstrumpf und bei Opa unter der Matratze.

Geld horten ist ohnehin sinnlos geworden, seit die EZB keine Zinsen mehr rausrücken will, sondern sogar Geld verlangt von Leuten, die Geld haben. Glück für den, der keins hat. Die Zentralbank hat uns damit nebenbei die Augen geöffnet. Jetzt sehen wir die Lage der Hartz-IV-Bezieher, der Horden an Obdachlosen, Arbeitslosen, prekär Beschäftigten und überschuldeten Privatleuten gleich ganz anders. Von wegen bedauernswerte Mitbürger. Armut ist der neue Reichtum! Das erklärt auch, warum der jetzige Bundesfinanzminister und künftige Kanzler Olaf Scholz (SPD) immer so diabolisch grinst. Der Staat ist sozusagen König aller Schuldner und ganz vorn mit dabei. Kein Berg ist höher als der Schuldenberg. Die Staatsschulden belaufen sich auf satte 2,25 Billionen Euro oder 27.000 Euro pro Kopf. Und da geht noch mehr. Bremsen war gestern, jetzt steht die Ampel auf Grün. Klima kostet halt. Und das Beste kommt noch: Ökonomen sagen, Staatsschulden sind nicht schlimm, weil der Staat, anders als Oma und Opa, ewig lebt und quasi nie zurückzahlen muss. Wundern Sie sich also nicht, wenn Ihr arbeitsloser Nachbar demnächst mit einem zu 100 Prozent staatlich subventionierten Elektro-Porsche zu Aldi fährt.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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