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Götz Hausding
»Dann lieber Influencer«

Branche warnt vor Mangel an Lkw-Fahrern

Die Lage ist ernst. "Deutschland droht in zwei bis drei Jahren ein Versorgungskollaps aufgrund des Mangels an Berufskraftfahrern." Diese Aussage des Vorstandssprechers beim Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung, Dirk Engelhardt, blieb während einer öffentlichen Expertenanhörung des Verkehrsausschusses in der vergangenen Woche unwidersprochen. Was aber kann getan werden, um den Job des Brummifahrers wieder attraktiver zu machen? Bessere Arbeitsbedi»ngungen und mehr gesellschaftliche Wertschätzung für den Beruf waren Forderungen, auf die sich alle Sachverständigen einigen konnten. Aus Sicht der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und von Fahrervertretern macht aber vor allem das niedrige Gehalt den Beruf unattraktiv.

Ein wichtiger Grund für den Mangel an Berufskraftfahrern sei der "Mangel an Gehalt", sagte Verdi-Vertreter Ronny Keller. Vergütung sei zwar nicht ausschließlich, aber in hohem Maße für die Attraktivität des Berufsbildes sowie für die Gewinnung von Nachwuchskräften von Bedeutung. "Die Branche muss ein besseres Angebot machen", verlangte Keller. Fachkräftezuwanderung sei nicht der richtige Weg. Besser sei es, die Arbeitsbedingungen national zu verbessern. Hier seien vor allem die Arbeitgeber in der Verantwortung.

Aus Sicht von Frank Huster vom Bundesverband Spedition und Logistik spielt Entlohnung zwar eine wichtige Rolle. Angesichts des extremen Mangels hätten sich die Löhne aber schon oberhalb der Tariflöhne entwickelt. Unternehmen in Baden-Württemberg zahlten bereits 4.000 Euro brutto monatlich.

Huster verwies auf die besonderen Anforderungen des Berufes, der einen hohen Stressfaktor habe und zu langen Abwesenheiten von zuhause führe. Bei jungen Menschen sei der Beruf zudem "nicht mehr angesagt". Sie wollten lieber "Influencer werden, aber nicht Berufskraftfahrer". Hoffnung setze die Branche auf Fachkräftezuwanderung. Hierbei werde aber eine deutliche Entbürokratisierung benötigt.

Fehlende Toiletten Fuhrunternehmer Christoph Peine machte ebenfalls deutlich, dass es "Zuwanderung aus dem Osten" brauche. Dem stünden aber große bürokratische Hemmnisse entgegen. Seit drei Jahren habe er Kontakt mit fünf philippinischen Fahrern. "Ich bekommen die aber nicht auf den Lkw, weil die bürokratischen Hürden so hoch sind", sagte er. Das Gehalt, so Peine, sei nicht das Problem. Das regle der Markt. Er gehe davon aus, dass künftig jeder Fahrer auf 4.000 Euro monatlich komme. Dies helfe aber nicht, wenn es nicht einmal Toiletten oder ausreichend Parkplätze gebe und die Fahrer an der Rampe auch noch selbst ent- und beladen müssten.

Die genannten Löhne führten zu Kopfschütteln bei Berufskraftfahrer Burkhard Taggert. "Die Zahlen, von denen Sie sprechen, habe ich noch nie gehört", sagte er an seine Vorredner gewandt. Realistischer seien in seiner Region Gehälter von 2.200 bis 2.400 Euro - in Mecklenburg-Vorpommern würden gar weniger als 2.000 Euro gezahlt. Aufgrund der niedrigen Gehälter müssten die Fahrer "Stunden kloppen, damit überhaupt was reinkommt".

Auch Taggert mahnte deutliche Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen an. Dafür müsse unter anderem die Fahrerkabine in die Arbeitsstättenverordnung aufgenommen werden, um etwa eine Standklimaanlage verpflichtend in alle Lkw einzubauen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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