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Aufgekehrt

»Ganz schlimm, ganz schlimm«

Unserer Redaktion wurden Mitschnitte von Fernsehinterviews vom Abend der Bundestagswahl zugespielt, die nie ausgestrahlt wurden. Doch wir wollen die brisantesten Passagen hier veröffentlichen. Ein Reporter fragt Olaf Scholz, ob seine Freude über den Wahlsieg so groß sei, weil er ja alles andere als selbstverständlich war. Scholz reagiert gewohnt schmallippig: "Was ist schon selbstverständlich? Wir haben einen großen Fight geliefert. Wir wussten, dass die Union eine starke Partei ist. Wir haben gewonnen. Fertig!" Doch der Reporter fragt nach: "War das überraschend für Sie, dass die SPD so in Bedrängnis geraten ist?" Scholz schaut jetzt richtig böse: "Also, Du hattest vier Jahre Zeit, Dir vernünftige Fragen zu überlegen. Und dann stellst Du mir zwei so scheiß Fragen. Das ist die Bundestagswahl und nicht irgendeine Gemeinderatswahl!" Scholz wendet sich ab und geht, setzt dann aber doch noch einmal nach: "Ganz schlimm, ganz schlimm."

Die nächste Einstellung zeigt Armin Laschet, von dem der Reporter einen Kommentar zum schlechtesten Abscheiden der Union bei einer Bundestagswahl hören will. Doch der CDU-Chef ist völlig von der Rolle: "Immer diese Geschichte mit dem Tiefpunkt und nochmal nen Tiefpunkt, und dann gibt es nochmal einen niedrigeren Tiefpunkt. Ich kann diesen Scheißdreck nicht mehr hören." Da drängelt sich plötzlich Friedrich Merz in das Interview und schimpft lautstark: "Eier, wir brauchen Eier!" Nachdem unser Reporter die Situation wieder unter Kontrolle hat, möchte er von Laschet wissen, ob er nun in Berlin bleibt oder doch nach Düsseldorf zurückgeht. Laschet hat seine gute Laune wiedergefunden. "Düsseldorf, Berlin, Hauptsache regieren." Und auch Merz meldet sich nochmal: "Politik is' wie Schach - nur ohne Würfel."

Aus Politik und Zeitgeschichte

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