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TRauer um Queen
Johanna Metz
»Wir haben ihr viel zu verdanken«

Deutschland nimmt Abschied von Elizabeth II.

"Her Majesty is in town", twitterte im Juni 2015 geradezu euphorisch die Berliner Polizei zum Auftakt des siebten Besuchs von Queen Elizabeth II. in der Hauptstadt. Dieser führte sie und ihren Gemahl Prinz Philip, begleitet von jubelnden Menschen, unter anderem ins Schloss Bellevue und mit dem Boot über die Spree - und der Monarchin vor Augen, wie sehr sich die Stadt seit ihrem letzten Besuch 2004 erneut gewandelt hatte: "Ich habe weniger Baukräne gesehen", bemerkte sie beim abendlichen Staatsbankett beeindruckt, um zugleich eine aus britischer Sicht erfreuliche Konstante hervorzuheben: "Noch immer ist das schönste Element der Berliner Skyline die Kuppel des Reichstags, eine bleibende Erinnerung an unsere kulturelle Kooperation". Die seit 1999 weltberühmte Konstruktion aus Stahl und Glas hatte der britische Architekt Sir Norman Foster entworfen, den die Queen zwei Jahre zuvor zum Ritter geschlagen hatte.

Versöhnung Ihre fünf offiziellen Staatsbesuche und zahlreichen inoffziellen Visiten in Deutschland waren für die am 8. September im Alter von 96 Jahren verstorbene Regentin immer auch Reisen in die Heimat ihrer Verwandtschaft, schließlich hat das britische Königshaus deutsche Wurzeln. Nach zwei Weltkriegen lag der Queen, die 13 war, als England in den Krieg mit Nazideutschland trat, und die bei Kriegsende als Lastwagenfahrerin in der Armee diente, außerdem die Versöhnung zwischen Deutschland und Großbritannien am Herzen. Dass sie 1965 als erstes britisches Staatsoberhaupt seit 56 Jahren wieder deutschen Boden betrat und sich dafür ganze elf Tage Zeit nahm, löste, wie ihre späteren Besuche auch, wahre Begeisterungsstürme in der Bevölkerung aus.

Nach ihrem Tod würdigten Spitzenpolitiker in ganz Deutschland Elizabeth II. für ihre Verdienste um Frieden und Aussöhnung. Die Deutschlandreise der Königin im Jahr 1965 sei "eines der wichtigsten und wirkmächtigsten Symbole für die nach dem Krieg entstandene britisch-deutsche Freundschaft" gewesen, betonte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seinem Kondolenzschreiben. Die Königin habe erlebt, "dass Krieg in Europa überwunden werden kann. Und sie hat selbst dazu beigetragen, die Wunden des Krieges zu heilen".

Der Bundestag gedachte der verstorbenen Monarchin mit einer Schweigeminute. Präsidentin Bärbel Bas (SPD) nannte sie eine "Monarchin des Jahrhunderts" und eine "große Staatsfrau", die für Frieden in Europa gestanden habe. "Deutschland hat Elizabeth II. viel zu verdanken."

Auch Altbundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) meldete sich zu Wort. "Es gibt keine Worte, die die überragende Bedeutung dieser Königin, ihres Pflichtgefühls, ihrer moralischen Integrität, ihrer Hingabe und ihrer Würde über sieben Jahrzehnte für das Vereinigte Königreich, für Europa und die Welt auch nur annähernd würdigen können", erklärte sie.

Der Besuch der Königin in Deutschland im Juni 2015 war gleichzeitig ihr letzter. Danach, im Alter von 88 Jahren, gab die am längsten regierende Monarchin in der Geschichte Großbritanniens einen Teil ihrer royalen Pflichten an ihren Sohn, den neuen König Charles III., ab.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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