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Aufgekehrt
Alexander Weinlein
So wird ein Schuh draus

Das geht Deutschlands Soldaten mächtig auf den Senkel. Da mahnen die Wehrbeauftragten Jahr für Jahr, wo in der Truppe der Schuh drückt. Doch statt sich den Problemen an die Fersen zu heften, schieben sich Minister, Parteien und Abgeordnete lieber gegenseitig die Schuld in die Schuhe, wenn es selbst am passenden Kameraden Schnürschuh mangelt. Dabei wusste schon Marilyn Monroe: "Give a girl the right shoes and she can conquer the world." Nun soll die Bundeswehr zwar nicht die Welt erobern, aber angesichts von gut 24.000 uniformierten Frauen wäre ja schon eine Steigerung der Verteidigungsfähigkeit zu erwarten, wenn sie auf tauglichen Schusters Rappen zur Attacke reiten könnte. Schließlich braucht niemand eine Armee von Pantoffelhelden.

Da die Bundeswehr seit der "Zeitenwende" finanziell auf großem Fuß lebt, wollten sich die Haushälter des Bundestages nicht länger den Schuh anziehen, den Soldaten fehle es an den richtigen Tretern und bewilligten jetzt aus dem 100-Milliarden-Sondervermögen weitere 50 Millionen Euro zur Beschaffung neuer Fußkleidung, für die bereits Ursula von der Leyen als Verteidigungsministerin den Designauftrag erteilt hatte. Und weil auch Verteidigungsministerin Christine Lambrecht selbst bei Truppenbesuchen gerne mit eleganten Pumps für Schlagzeilen sorgt, bekommen ihre Soldaten jetzt nicht einfach neue Schuhe, sondern gleich das "Kampfschuhsystem Streitkräfte", kurz: KSS SK. Das umfasst zwei Paar schwere und ein Paar leichte Kampfschuhe, die sich durch einen erhöhten Tragekomfort auszeichnen und zudem als Männer- und Damenmodell geliefert werden. Die Soldaten dürften "head over heels in love" sein bei so viel Fußpflege. Hoffentlich kippen sie vor lauter Begeisterung nicht aus den Latschen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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