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Menschenrechte
Sandra Schmid
Nahezu 300 Millionen Menschen in Not

Hunger weltweit stark angestiegen

Der Direktor des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP), David Beasley, hat vergangene Woche im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe vor einer Hungersnot in mehreren Ländern gewarnt. Die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen hätten die Hungersituation drastisch verschärft. Hätten vor Ausbruch der Pandemie weltweit noch 135 Millionen Menschen Hunger gelitten, seien es nun 285 Millionen Menschen, berichtete Beasley. 45 Millionen davon litten unter extremen Hunger. In 43 Staaten, darunter Afghanistan, Äthiopien, Jemen und Staaten in der Sahelzone wie Niger und Burkina Faso, drohten Hungersnöte und damit auch eine neue Massenmigration. Grund für die gegenwärtige Situation seien neben der Corona-Pandemie auch die weltweit zunehmenden Konflikte, Krisen und Klimakatastrophen.

Es sei möglich, die Regionen zu stabilisieren, wenn genügend Finanzmittel zur Verfügung stünden, erklärte Beasley. Aktuell fehlten dem WFP aber bis zu sechs Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 5,3 Milliarden Euro, um Nothilfe zu leisten. Beasley verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass Deutschland als nach den USA zweitgrößter Geber des WFP weitere Unterstützung leisten wird.

Um den Hunger zu überwinden und größere Migrationsbewegungen zu verhindern, brauche es insbesondere Hilfe bei der Anpassung an Klimaveränderungen. Dazu sei aber ein anderer Ansatz gefragt, sagte Beasley. Humanitäre Hilfe und Entwicklungsprojekte wie bisher getrennt zu betrachten, sei nicht mehr zielführend.

Partner wie Deutschland und die USA hätten verstanden, dass es einer effektiveren, strategisch angelegten Hilfe bedürfe, lobte der WFP-Direktor. Mit ihrer Unterstützung habe das Welternährungsprogramm etwa begonnen, Ernteprogramme und Programme zur Landverbesserung zu entwickeln. Diese zeigten messbaren Erfolge: In der Sahel-Region etwa hätten durch Landverbesserungsmaßnahmen und Schulspeisungen Migrationsbewegungen abgenommen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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