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#weremember
Elena Müller
Leuchtende Erinnerung

Parlamente in Berlin, Jerusalem und Wien nehmen an Kampagne teil

Unübersehbar stehen sie da, die Worte "#WeRemember" (Wir erinnern [uns]), in großen weißen Lettern, vor dem Westportal des Reichstages. Rund um den internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust waren diese Worte, die gleichzeitig Mahnung sind und Auftrag, vor den Toren des Deutschen Bundestages zu lesen.

Nach Einbruch der Dunkelheit und bis zum Sonnenaufgang wurde der Satz zudem als Lichtinstallation auf die Fassade des Parlaments projiziert. Und mit einer Raute (Englisch "hashtag") versehen, sollten die Worte hinausgetragen werden in die sozialen Netzwerke: Als Aufruf, sich an die Gräueltaten der Nationalsozialisten und den Mord an sechs Millionen Menschen während des Holocaust zu erinnern - und daran mitzuwirken, dass sich diese Verbrechen niemals wiederholen.

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) machte am Dienstag, zwei Tage vor dem Gedenktag am 27. Januar, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, gemeinsam mit ihren Amtskollegen, den Parlamentspräsidenten von Israel, Mickey Levy, und Österreich, Wolfgang Sobotka, auf die Dringlichkeit der Botschaft "#WeRemember" aufmerksam.

"Wir wollen gemeinsam ein Zeichen setzen und zeigen, dass wir uns mit der Geschichte auseinandergesetzt haben", sagte Bas vor dem Reichstagsgebäude. Es gehe um ein Zeichen gegen den Hass, auch gegen jenen, der sich aktuell Bahn breche bei sehr radikalen Impfgegnern, die den Holocaust verharmlosten; um ein Zeichen gegen den wachsenden Antisemitismus, so Bas weiter. "Wir beteiligen uns wie andere europäische Parlamente an der Kampagne, weil wir deutlich zeigen wollen, dass wir Hass und Antisemitismus nicht tolerieren."

Der israelische Parlamentspräsident Levy bezeichnete die Aktion als einen "Meilenstein in der Zusammenarbeit unserer Demokratien". Die Shoa sei ein unfassbares Menschheitsverbrechen, das nicht beschrieben werden könne und habe Wunden hinterlassen, die in der Geschichte der Menschheit nicht heilen würden, so Levy.

Er bedankte sich für die Verpflichtung Deutschlands und Österreichs, die Erinnerung an die Shoa und die Ermordung von sechs Millionen Menschen wachzuhalten. "Als Vorsitzende unserer demokratischen Parlamente müssen wir aus der Vergangenheit lernen, wie fragil die Demokratie ist, wenn wir nicht für sie kämpfen."

Mit einem Zitat, das einer Inschrift im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen entnommen ist, appellierte der österreichische Parlamentspräsident an die Menschen, die Erinnerung an den Holocaust wach zu halten: "Das Vergessen des Bösen heißt, seine Wiederholung zu ermöglichen." Antisemitismus sei nicht nur eine Bedrohung für die jüdische Gemeinde, sondern eine Bedrohung für die Demokratie insgesamt, sagte Sobotka.

Auf Initiative Sobotkas hatten die europäischen Parlamentspräsidentinnen und -präsidenten vereinbart, sich mit den Parlamenten in ihren Ländern der Gedenkkampagne #WeRemember anzuschließen, zu der seit 2017 der Jüdische Weltkongress und die Unesco aufrufen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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