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Ortstermin: Schloss Bellevue
Denise Schwarz
Auf den Fuchs gekommen

Seit dem Ende der Amtszeit von Bundespräsident Roman Herzog 1999 ist Schloss Bellevue unbewohnt. Während sich Herzog noch über das schlechte Heiz- und Stromsystem seines Amtssitzes beschwert haben soll, sind seine Nachfolger dort gar nicht erst eingezogen. Aus dem ehemaligen Wohntrakt wurden Büros und das Gebäude wandelte sich endgültig vom Wohn- zum Arbeitsschloss. Doch einen Bewohner hat die Anlage noch: Schlossfuchs Theo. Benannt nach dem ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss habe er außerhalb des Schlosses schon sämtliche protokollarischen Abläufe besucht, sagt Kai Baldow, Chef des Protokolls. Selbst auf dem roten Teppich sei der Vierbeiner schon gesichtet worden. Nur in das Schloss selbst habe er sich noch nicht vorgewagt. Hier hat weiterhin der frisch wiedergewählte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Sagen.

Zu dessen Aufgaben gehören die Empfänge von Gästen aus dem In- und Ausland. "Wir hatten vor Corona im Schloss Bellevue zirka 180 Protokollveranstaltungen jährlich", sagt Baldow. Als Chef des Protokolls ist er für alle Fragen rund um die Termine des Bundespräsidenten in Deutschland zuständig. Einen besonderen Stellenwert unter diesen Veranstaltungen nehmen die Staatsbesuche ein. Diese Treffen von Staatsoberhäuptern stellen die höchste Form des diplomatischen Kontakts zweier Länder dar und dienen dem gegenseitigen Austausch. Jährlich sind etwa vier davon geplant.

Bevor jedoch der rote Teppich ausgerollt wird und sich das Wachbataillon der Bundeswehr vor dem Hauptportal des Schlosses für die militärischen Ehren der Gäste versammelt, seien Monate der Planung nötig, berichtet Baldow. Von Einladungsschreiben bis hin zur Auswahl des passenden Menüs, alles solle die symbolische Verbindung der Länder unterstreichen. So wird beim abendlichen Staatsbankett darauf geachtet, dass die musikalische Untermalung aus Werken beider Nationen besteht. Neben klassischen Klängen kann dann auch Technomusik durch die Räume von Bellevue hallen, wie beim Staatsbesuch des irischen Präsidenten Michael D. Higgins 2019. Selbst die Farben der Blumen werden bei einem Staatsbesuch nicht dem Zufall überlassen, sondern spiegeln die Nationalflaggen des Gastes wider.

Schloss Bellevue hat die Villa Hammerschmidt in Bonn 1994 als ersten Amtssitz abgelöst. Als Wohnschloss angedacht, wurde Bellevue 1785 nach Plänen von Prinz Ferdinand von Preußen im klassizistischen Stil errichtet. Im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört, wurde es in den 1950er Jahren wieder aufgebaut und war bis zur Wiedervereinigung zweiter Amtssitz im geteilten Berlin. Lediglich der "Langhanssaal" im Obergeschoss des Schlosses wurde gänzlich rekonstruiert und zeugt vom einstigen klassizistischen Stil des Inneren. In insgesamt 13 Räume empfängt das Präsidentenpaar Gäste aus aller Welt.

Obwohl Steinmeier das Amt des Bundespräsidenten fünf weitere Jahre bekleiden wird, steht ihm Bellevue nur noch drei Jahre als Amtssitz zur Verfügung. Weil der gesamte Komplex, inklusive des Bundespräsidialamts, dringend saniert werden muss, zieht der Bundespräsident für diese Zeit in ein Ersatzgebäude. Nur Schlossfuchs Theo wird wohl zurückbleiben und in der Zwischenzeit nach dem Rechten sehen. Erst 2029 wird Schloss Bellevue wieder als Amtssitz nutzbar sein. Dann schon für einen neuen Bundespräsidenten oder -präsidentin.Denise Schwarz

Aus Politik und Zeitgeschichte

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