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Anhörung zur Mobilität von Frauen : "Das Transportwesen kann eine Frage von Leben und Tod sein"

Berücksichtigen Stadt- und Verkehrsplaner die besonderen Bedürfnisse von Frauen? Cyprine Odada aus Kenia meint Nein und fordert ein Umdenken.

17.11.2023
2024-01-31T17:36:29.3600Z
2 Min

Die kenianische Stadtplanerin und Beraterin für nachhaltige Mobilität, Cyprine Odada, hat am Mittwoch im Entwicklungsausschuss eine stärkere Berücksichtigung der Bedürfnisse von Frauen bei Stadt- und Verkehrsplanungsprojekten angemahnt. Zahlreiche Untersuchungen hätten gezeigt, dass Frauen Verkehrswege anders nutzen als Männer, weil sie sich in Afrika neben dem Job auch überwiegend um Kinder und Haushalt kümmerten, sagte sie in der öffentlichen Sitzung.

Frauen gehen häufiger zu Fuß

Frauen würden häufiger als Männer kleine Wege erledigen, und dies in erster Linie zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Aber die Infrastruktur sei "von Männern für Männer gemacht", urteilte Odada. So seien viele Bürgersteige zu schmal für Kinderwägen, Wege würden abends nicht oder nur unzureichend beleuchtet, was sie für Frauen unsicher mache. Weil Frauen öfter öffentliche Transportmittel nutzen müssten, sei es für sie teurer, außerdem seien Möglichkeiten zum Festhalten dort zu weit oben angebracht. "Wenn das Transportwesen nicht auf die Belange der Geschlechter eingeht, kann das eine Frage von Leben und Tod sein oder dazu führen, dass Frauen in Armut abdriften oder ihr nicht entkommen können", betonte Obada. Sie forderte, die öffentliche Förderung von Infrastrukturmaßnahmen davon abhängig zu machen, dass sie geschlechtersensibel sind. Dafür müssten geschlechtsspezifische Zielsetzungen definiert werden.


„Verkehrssysteme müssen für alle Bevölkerungsgruppen barrierefrei, bezahlbar und sicher sein.“
Heike Henn, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Heike Henn vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung nannte die Stärkung der Mobilität von Frauen in Städten ein "zentrales Thema" für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit. Es gehe um den gleichberechtigten Zugang zu Bildung, Beschäftigung und Dienstleistungen. Aber Frauen seien auch in entsprechenden Planungsgremien unterrepräsentiert. Das BMZ unterstütze daher die internationale "Transformative Urban Mobility Initiative" (TUMI) und habe die Initiative "Women mobilise Women" ins Leben gerufen. "Wir wollen die Ursachen dieser Benachteiligung strukturell beseitigen", erläuterte Henn. Dafür müssten Verkehrssysteme für alle Bevölkerungsgruppen inklusiv gestaltet werden, "barrierefrei, bezahlbar und sicher". Frauen sollten mehr Teilhabe im Verkehrssektor haben und stärker an der Planung von Projekten beteiligt werden. Außerdem solle es mehr Forschung geben, um evidenzbasierte Lösungen zu entwickeln.