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Foto: DBT / Stella von Saldern
Austausch über Lehren für die Zukunft: 66 junge Menschen sprechen mit der Holocaust-Überlebenden Eva Szepesi, Sportjournalist Marcel Reif und Bundestagspräsidentin Bärbel Bas im Bundestag.

Jugendbegnung im Bundestag Engagiert für das Erinnern

Marcel Reif und Eva Szepesi appellieren an junge Menschen bei rassistischen, antisemitischen oder fremdenfeindlichen Bemerkungen aufzustehen und einzugreifen.

02.02.2024
2024-02-02T10:43:26.3600Z
2 Min

"Ihr werdet euch nicht rausreden können": Marcel Reif hat in der Podiumsdiskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Jugendbegegnung am Nachmittag des 31. Januar keine Zeit zu verlieren, um seine Mahnung loszuwerden.

"Ihr werdet euch nicht damit rausreden können, wenn es irgendwann keine Zeitzeugen mehr gibt", erklärt er den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Programmes, das jedes Jahr aus Anlass des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag stattfindet. Die Berichte der Zeitzeugen des Holocaust seien zahlreich und dokumentiert.

Lehren für Gegenwart und Zukunft ziehen

Erst am Morgen hatte Marcel Reif als Sohn eines jüdischen Vaters, der den Holocaust überlebt hatte, und damit als Vertreter der zweiten Generation in der Gedenkstunde des Bundestages für die Opfer des Nationalsozialismus gesprochen - genau wie Eva Szepesi, die als Kind im Konzentrationslager Auschwitz gewesen war.

Am Nachmittag sitzen 66 junge Menschen vor Szepesi, ihrer Tochter Anita Schwarz, Marcel Reif und Bundestagspräsidentin Bärbel Bas, um miteinander über Formen des Erinnerns und Lehren für Gegenwart und Zukunft zu sprechen.

Bas: Nicht zulassen, dass in Frage gestellt wird, was passiert ist

Für Reif und Szepesi ist es eine Lebensaufgabe, ihre Familiengeschichten zu erzählen, aber auch die Jugendlichen sehen sie in der Pflicht: "Ihr tragt die Verantwortung, Ungerechtigkeiten entgegenzutreten", sagt Szepesi. Das betont auch die Bundestagspräsidentin: "Erinnerungsarbeit ist wichtig. Wir dürfen nicht zulassen, dass in Frage gestellt wird, was passiert ist."


„Wenn Menschen damals Menschen gewesen wären, wären Eva Szepesis Leben und das meines Vaters anders verlaufen.“
Marcel Reif

Entscheidend sei gleichzeitig, in der Gegenwart für eine Demokratie in Vielfalt einzutreten. Nicht wegsehen, aufstehen und eingreifen, wenn Gespräche am Nebentisch rassistisch, antisemitisch, fremdenfeindlich sind: Das sind auch für Reif die Schlüssel, um etwas zu verändern.

Auf die Frage einer Teilnehmerin, wie sich die Maxime seines Vaters "Sei ein Mensch" in die Tat umsetzen lasse, antwortet er dann auch: "Was in den vergangenen Wochen und Tagen auf den Straßen passiert, das ist Menschsein. Und wenn Menschen damals Menschen gewesen wären, wären Eva Szepesis Leben und das meines Vaters anders verlaufen."

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