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Glosse Von den Bauern lernen

Porsche gegen Landmaschine: Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) legt einen ziemlich verunglückten Auftritt vor wütenden Bauern in Berlin hin.

19.01.2024
2024-01-24T13:34:57.3600Z
2 Min

Sich wütenden Landwirten entgegenzustellen, ist kein Spaß. Und wenn die Arbeitswoche so beginnt, nein, das muss wirklich nicht sein. Aber offenbar brauchte unser Bundesfinanzminister nach einem Wochenende auf der Jagd und/oder im Reitstall am Montag einen Adrenalin-Kick, um in eine Woche zu starten, in der es ja nicht nur um Bauernprotest ging. Immerhin sollte endlich auch der Bundeshaushalt für 2024 durch den Bundestag auf den Weg gebracht werden - und wurde es schließlich auch.

Tipp für die Liberalen

Warum sich mehrere tausend Landwirte aus ganz Deutschland zum Abschluss ihrer Protestwoche in Berlin versammelt hatten, wurde schnell klar: Sie wollten keine Begründung dafür hören, warum es nötig sei, die Subventionen für Agrardiesel abzuschaffen. Sie wollten einen kompletten Verzicht der Kürzungen. Doch den hatte Lindner dummerweise nicht dabei. "Hau ab, hau ab", schallte es ihm deshalb recht massiv entgegen. Gut, das ist auch kontraproduktiv. Und es ist auch nicht sehr nett.

Die Versuchung, ihm seinen Auftritt als Heldentat anzurechnen, währte indes nur kurz. Denn auch Lindner schrie etwas ins Mikrofon, das nicht sehr nett war und zu deutlich ein simpler Trick. Zu viele Menschen bekämen Geld "fürs Nichtstun" beklagte er und leitete direkt zum Bürgergeld über. Aber die Landwirte wollten gar nicht auf die Schwächsten draufhauen. Sie wollten auch nicht hören, dass der Minister "total fertig" ist, wenn er den Reitstall ausgemistet hat. Und dass er "zwischen Wiesen und Feldern" aufgewachsen ist. Wer bitte hat ihm das in sein Manuskript geschrieben? Doch wohl nicht "irgendwelche Städter"?! Bis zur nächsten Wahlschlappe für die Liberalen dauert es ja noch etwas, aber: "Von den Bauern lernen, heißt, mobilisieren lernen" könnte eine Idee für sie sein.