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Parlamentarisches Profil Der Vielseitige: Stephan Stracke

Der CSU-Abgeordnete aus dem Ostallgäu kümmert sich im Bundestag um die Themen Arbeit und Soziales. Er sieht viele Möglichkeiten, dem Fachkräftemangel zu begegnen.

02.05.2023
2024-01-12T09:08:36.3600Z
4 Min

Seine Heimat hat er erst vor wenigen Minuten mental verlassen, als Stephan Stracke um 08:45 Uhr noch einmal zum Hörer greift - nach ein paar Wahlkreistelefonaten und dem Studium der Lokalzeitung. Dabei ist er 650 Kilometer von Kaufbeuren im Ostallgäu entfernt. Es ist Mittwochmorgen in Berlin, nun beginnt die Zeit im Bund: ein Gespräch über das von der Bundesregierung geplante Fachkräftegesetz, zu dem der arbeits- und sozialpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag seine Meinung sagen soll. Ist dies nun, wie von den Ampelparteien vorgetragen, das "modernste Einwanderungsgesetz Europas"? Er seufzt. "Wir haben doch schon eines der modernsten Einwanderungsgesetze", entgegnet er. Ja, es herrsche in Deutschland ein Fachkräftemangel, bei dem aufzupassen sei, dass dieser nicht zu einer Wachstumsbremse führe. "Aber erstmal müssen wir unsere inländischen Wachstumspotenziale ausschöpfen", sagt Stracke.

Foto: Tobias Koch

Stephan Stracke gehört seit 2009 dem Bundestag an. Er ist Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales.

Stracke sieht Risiken für den Arbeitsmarkt

Seit 2009 vertritt er den Wahlkreis Ostallgäu in Berlin. Der CSU-Abgeordnete sieht noch viele Innovationen etwa bei der Verbesserung der Arbeitsabläufe, "und dann kommt auch noch die KI", um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Außerdem seien da noch die vielen Chancen zur Steigerung der Erwerbstätigkeit von Frauen, "aber da schafft die Bundesregierung nicht den Wechsel weg von einem starren Blick auf einen Acht-Stunden-Tag und hin zu einem auf die ganze Woche". Auch die Kinderversorgung müsse verbessert werden, zur Steigerung der Arbeitsflexibilität. Grundsätzlich kritisiert Stracke, 49, am geplanten Gesetz einen Paradigmenwechsel. "Bisher hatten wir einen Fokus auf die Qualifikation der ausländischen Fachkraft nach deutschem Vorbild. Dieses Niveau soll deutlich gesenkt werden." Dadurch entstünden Risiken für den Arbeitsmarkt.

Doch was sollte getan werden, um mehr Leute ins Land zu kriegen, die dem Fachkräftemangel begegnen? Stracke schwebt eine Bundesagentur für Einwanderung vor. "Wir müssen schneller, digitaler und einfacher beim Einwanderungsverfahren werden", argumentiert er. "Eine Agentur würde den Service aus einer Hand bieten." Derzeit gestalte sich die Kompetenzlage zwischen Kommune, Land und Bund als komplex.


„Wir müssen schneller, digitaler und einfacher beim Einwanderungsverfahren werden.“
Stephan Stracke (CSU)

Zu den Themen Arbeit und Soziales arbeitet Stracke nicht seit 2009. Im Bundestag fing er mit der Arbeit im Gesundheitsausschuss an, und da es innerhalb der CSU-Landesgruppe Veränderungen gegeben habe, wechselte er in den Ausschuss Arbeit und Soziales. "Das ist im Grunde ein Wirtschaftsausschuss und sehr spannend", stellt er fest. Ganz ursprünglich aber kommt Stracke aus dem Baurecht. Diese Spezialisierung bahnte sich im Jurastudium an, bei einem Anwaltspraktikum. Der Jurist ging zur Landesbaudirektion in München, wechselte als Abteilungsleiter ins Staatliche Bauamt München 1 und wurde dann Oberregierungsrat im Innenministerium. In der Familie sei seine Entscheidung, für den Bundestag zu kandidieren, zuerst mit Skepsis aufgenommen worden. Der Vater, ein Gymnasiallehrer, und die Mutter mit einem kleinen Handwerksbetrieb fanden seine Stellung als oberer Beamter so gut, warum in die wechselhafte Politik wechseln? "Beruflich und politisch war ich das schwarze Schaf in der Familie", sagt er.

Gegen sieben Kandidaten durchgesetzt

Aber es schien angelegt. Da war die Politisierung in der Schule durch eine Politik-AG und nach dem Abitur der Eintritt in die Junge Union. 2005 dann der CSU-Ortsvorsitz in Kaufbeuren und 2007 der stellvertretende Kreisvorsitz im Ostallgäu.

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Für den Bundestag sei er gefragt worden, vom Oberbürgermeister. "Das war ein echter Wettbewerb, mit am Ende sieben Kandidaten in der internen Schlussabstimmung", erinnert er sich. Die Faszination fürs Bauen und Baurecht ist bei ihm geblieben. "Noch immer schaue ich mir gern Hochneubauten an, hab ein Interesse an Architektur." In seine Arbeit im Bundestag fließt dies ein - als Mitglied im Ältestenrat in der Raum- und Baukommission. Doch vorerst warten seine Kernthemen auf ihn, die Sitzung des Arbeits- und Sozialausschusses beginnt gleich. Stracke legt auf und läuft los.