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Änderung im Bundesjagdgesetz : Bundesregierung will Wölfe zum Abschuss freigeben

Der Wolf soll künftig in bestimmten Fällen gejagt werden dürfen. SPD, Grüne und Linke sehen die effektivere Lösung hingegen im verstärkten Herdenschutz.

15.01.2026
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2 Min

Rund 4.300 Nutztiere sind 2024 von Wölfen verletzt oder gerissen worden. Nachdem der Wolf in Deutschland bis Anfang des 21. Jahrhunderts als ausgerottet galt, konnten sich die Bestände in den vergangenen Jahren erholen. Schätzungen zufolge gab es 2024/2025 hierzulande rund 219 Wolfsrudel. Aufgrund der zunehmenden Vorfälle mit Weidetieren fordern Tierhalter immer wieder einen besseren Schutz für ihre Herden.

Foto: picture alliance / imageBROKER

Bislang stand der Wolf in Deutschland unter Schutz. Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung soll dies nun ändern und den Wolf jagdbar machen.

Dieser Forderung will die Bundesregierung mit Änderungen des Bundesjagdgesetzes und des Bundesnaturschutzgesetzes nachkommen und den Wolf zur jagdbaren Art machen.

Europarat hat den Schutzstatus des Wolfs herabgesetzt

Das Gesetz schaffe eine pragmatische Lösung für Natur und Mensch, betonte Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) bei der ersten Lesung des Entwurfs im Bundestag am Mittwoch. "Der Schutz von Weidetieren steht dem Schutz des Wolfes gleichberechtigt gegenüber", sagte er. Die Gesetzesänderungen sollen es ermöglichen, "Problemwölfe" abzuschießen. Ist die Wolfspopulation groß genug, könnte durch die erlaubte Jagd auch der Wolfsbestand reguliert werden.

Klaus Mack (CDU) dankte den EU-Kollegen, die den Impuls für diese Änderung gesetzt hätten. Tatsächlich ist die Gesetzesänderung nur möglich, weil der Europarat den Schutzstatus des Wolfs in der Berner Konvention von "besonders geschützt" auf "geschützt" gesenkt und die EU ihre Richtlinie angepasst hat.

Laut dem AfD-Abgeordneten Peter Felser schafft der Entwurf jedoch keine Klarheit. Es bleibe "weitgehend offen, wie und auf welcher Grundlage die für die Bejagung erforderlichen revierübergreifenden Managementpläne aufgestellt werden sollen".

Grüne monieren einen Verstoß gegen das EU-Recht

Für die Abgeordneten von SPD, Grünen und Linken kann eine effektive Lösung nur in der Verstärkung des Herdenschutzes bestehen. "Zäune, Herdenschutzhunde, Beratung und Förderung sind und bleiben der wirksamste Schutz für Weidetiere", sagte Isabel Mackensen-Geis (SPD). Dort, wo ein effektiver Herdenschutz nicht möglich sei oder wo Wölfe diesen wiederholt überwinden konnten, dürften sie künftig "schneller, rechtssicher und pragmatisch gejagt werden".

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Eine generelle Jagderlaubnis würde das ökologische Gleichgewicht der Wälder gefährden, in dem der Wolf eine wichtige Rolle einnimmt, merkte Sascha Wagner (Die Linke) an.

Der Grünen-Politiker Harald Ebner sagte, dass es bislang keine Beweise dafür gebe, dass eine "ungezielte Bejagung von Wölfen Risse reduziert". Zudem sei der Entwurf EU-rechtswidrig. Anstatt eine Regelung auf Bundesebene zu finden, wie von der EU gefordert, wälze die Regierung "die Zuständigkeit für Monitoring und Abschussplanung auf die Länder und Unteren Jagdbehörden" ab. Der Entwurf wurde zur weiteren Beratung an den Landwirtschaftsausschuss überwiesen.