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Kurz rezensiert
Alexander Weinlein
Angelesen

Norman Davies weiß, dass es nicht an Darstellungen über den Zweiten Weltkrieg mangelt. Und doch hat der britische Historiker nun seine Sicht auf "Die Große Katastrophe" zu Papier gebracht. Offen spricht er über Kriegsverbrechen auf allen Seiten, betont, dass die Sowjetunion die Hauptlast des Kriegs trug und diesen gewann und selbst ein Terrorsystem in Osteuropa aufbaute.

Interessant ist sein kritischer Blick auf die unterschiedliche Rezeptionsgeschichte, etwa in der Frage, wann der Weltkrieg ausbrach. Hier begeht Davies den gleichen Fehler, den er Amerikanern und Russen vorhält, die meist das Jahr 1941 nennen. Sein Werk beschränkt sich auf den Krieg in Europa. Doch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs lässt sich nicht nur mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 datieren. Ebenso ließe sich sich der Angriff Japans auf China 1937 und die japanische Expansion im asiatisch-pazifischen Raum nennen, die zur Konfrontation und zum Krieg mit den USA führten, nennen. Abgesehen davon hat Davies ein pointiertes, gut strukturiertes und lesenswertes Buch vorgelegt.

Norman Davies:

Die große Katastrophe. Europa im Krieg 1939-1945.

Droemer Verlag, München 2009; 847 S., 36 €

Aus Politik und Zeitgeschichte

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