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GESUNDheIt
Alexander Heinrich/Claus Peter Kosfeld
Lehren aus der Ebola-Epidemie

Bill Gates macht sich für mehr Prävention in den Ländern des Südens stark

Bill Gates fordert mehr Engagement für die Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern. Die Ebola-Epidemie habe gezeigt, dass die reichen Länder bisher zu wenig für die Prävention von übertragbaren Krankheiten in solchen Ländern getan hätten, sagte der Microsoft-Gründer und Stifter vergangene Woche im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung..

Gates unterstützt seit 1999 zusammen mit seiner Frau mit der „Bill & Melinda Gates Stiftung“ Gesundheitsprojekte in Entwicklungsländern. Der größte Teil dieses Engagements komme der „Globalen Allianz für Impfstoffe und Immunisierung“ (Gavi) zugute, die Impfkampagnen gegen übertragbare Krankheiten wie Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis B und Gelbfieber organisiere, sagte Gates im Ausschuss. Deutschland richtet im Januar kommenden Jahres die nächste Geberkonferenz für die Gavi-Impfallianz aus, die von Staaten, privaten Gebern, Weltbank, dem Kinderhilfswerk UNICEF, der Weltgesundheitsorganisationen WHO und Impfstoffherstellern getragen wird. Der deutsche Beitrag für Gavi soll sich auf 40 Millionen Euro jährlich erhöhen, insgesamt strebt die Bundesregierung an, bis 2020 Mittel in Höhe von insgesamt 500 Millionen Euro für Impfprogramme zur Verfügung stellen.

Gates dankte im Ausschuss unter anderem für den deutschen Beitrag für den Globalen Fonds gegen Aids, Malaria und Tuberkulose (GFATM). Mit einem jährlichen Betrag von derzeit 200 Millionen Euro sei Deutschland der drittgrößte Geber des Fonds. Gates hob die Vorreiterrolle Großbritanniens hervor, das nicht nur größter europäischer Einzelgeber des Fonds sei, sondern auch das Ziel erreicht habe, bis 2015 mindestens 0,7 Prozent seines Bruttonationaleinkommens für die Entwicklungszusammenarbeit bereitzustellen. Es sei zu hoffen, dass auch Deutschland diesem Ziel noch näher kommt als bisher. Gates lenkte den Blick indes auch auf große Fortschritte in der Entwicklungszusammenarbeit. Als die Millenniumsentwicklungsziele vor 25 Jahren erstmals verkündet wurden, seien pro Jahr zwölf Millionen Kinder unter fünf Jahren an zumeist vermeidbaren Erkrankungen verstorben. Heute habe sich diese Zahl halbiert und diese Zahl lasse sich in den kommenden 15 Jahren nochmals halbieren, sagte Gates.

Zuvor hatte der Botschafter und Ebola-Beauftragte der Bundesregierung, Walter Lindner, im Entwicklungs- und im Gesundheitsausschuss über die sozialen und wirtschaftlichen Verwerfungen in Westafrika informiert. Die jeweiligen Präsidenten hätten davor gewarnt, dass Liberia, Sierra Leone und Guinea bald zu den sogenannten „failed states“ gehören könnten, sagte Lindner. Die Krisenländer bräuchten über die Soforthilfe zur Ebola-Bekämpfung hinaus in allen Bereichen des öffentlichen Lebens, bei der Gesundheitsversorgung, den Bildungsinstitutionen und der Wirtschaft eine schnelle und nachhaltige Wiederaufbauhilfe.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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