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Gastkommentare - Pro
Albert Funk
System ohne Anker

Ende Der Volksparteien?

D as Ende der Volksparteien ist schon häufiger festgestellt worden. Aber nun ist es wohl gekommen. Die Union, zuletzt immerhin noch so etwas wie die Ankerpartei im bundesweiten Parteiensystem, hat am 26. September 24,1 Prozent der Stimmen bekommen. Die Sozialdemokraten konnte sich zwar wieder auf 25,7 Prozent hocharbeiten, doch ist das ungefähr das Level, das bei guter Mobilisierung maximal zu schaffen ist - Potenzial ausgereizt sozusagen. Grüne, FDP, AfD verharren im Status von kleineren Mittelparteien, die Linken sind zur Kleinpartei geschrumpft.

Was aber sind Volksparteien? Größe spielt da schon eine Rolle, nicht allein die Fähigkeit, über Kernmilieus hinaus Wähler und Wählerinnen anzusprechen. Keine Partei ist bundesweit mehr so stark, dass sie ohne weiteres die Regierungsbildung in die Hand nehmen könnte. Keine kann von sich sagen, dass die anderen nicht an ihr vorbeikommen. Das Mehrparteiensystem ohne Anker ist da. Regional mag es so sein, dass CDU, CSU oder SPD noch Volkspartei-Status reklamieren können. Die Sozialdemokraten haben es gerade in Mecklenburg-Vorpommern gezeigt. Aber auf nationaler Ebene ist die Zeit der Volksparteien - verstanden als mächtige, national breit aufgestellte Großparteien - vorerst beendet. Die SPD hat sich früher an die neuen Verhältnisse gewöhnen dürfen. Die Union muss das jetzt schmerzhaft lernen. Grüne und FDP können auftrumpfen - und so vielleicht zur nächsten Wahl hin weiter nach oben kommen, zulasten der Christ- und Sozialdemokraten. Dass die "Groko" mittlerweile fast schon als Saurier-Phänomen gilt, ist vielleicht das beste Indiz dafür, dass der Volkspartei-Status von Union und SPD endgültig futsch ist.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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