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Ungeimpft
Denise Schwarz
Mangelndes Vertrauen

Erste Studien geben Einblick in die Motive der en

23,8 Prozent der Menschen ab zwölf Jahren sind in Deutschland laut Robert-Koch-Institut (RKI) bislang nicht gegen das Corona-Virus geimpft. Ein schneller Anstieg der Impfquote scheint allerdings unwahrscheinlich, so das Ergebnis einer aktuellen forsa-Umfrage. Für sie hat das Meinungsforschungsinstitut Mitte Oktober 3.048 bisher nicht geimpfte Menschen nach ihren Motiven befragt. Das Resultat: Nur ein geringer Teil der bisher nicht geimpften Befragten (fünf Prozent) hat vor, sich in den nächsten acht Wochen impfen zu lassen. 65 Prozent lehnen eine Impfung kategorisch ab, sieben Prozent sind unentschlossen. Die Gruppe der generellen Impfskeptiker macht mit fünf Prozent aber nur einen geringen Teil der Ungeimpften aus.

Sorge um Sicherheit Die angegebenen Gründe gegen eine Impfung reichen von mangelndem Vertrauen in den Impfstoff bis hin zur Skepsis gegenüber der Gefährlichkeit des Virus. 74 Prozent der Befragten halten die verfügbaren Impfstoffe für nicht ausreichend erprobt, 67 Prozent nennen wachsenden Druck von außen als Ursache. Weitere Gründe sind, dass auch Geimpfte Corona bekommen können (63 Prozent), dass die verfügbaren Impfstoffe nicht sicher seien (63 Prozent) und dass eine Infektion nicht so gefährlich sei, wie es dargestellt werde (26 Prozent).

In der Gruppe der nicht geimpften Menschen lässt sich laut forsa zudem eine erhöhte Skepsis gegenüber der Unabhängigkeit und Ausgewogenheit der Medien bei der Corona-Berichterstattung erkennen. 89 Prozent der Ungeimpften halten sie für einseitig, 23 Prozent sind es in der Gesamtbevölkerung. Dass nicht alle Stimmen aus der Wissenschaft gehört werden, geben 89 Prozent der Ungeimpften an. Telegram und Youtube nutzen sie im Vergleich zur Gesamtbevölkerung überdurchschnittlich.

Die Bundesregierung will mit Informationskampagnen Vertrauen in die Impfstoffe herstellen. Ob sie damit erfolgreich sein wird, bleibt fraglich. Denn 63 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass die Regierung nicht ehrlich über Corona spricht.

Dass besonders in den deutschsprachigen Ländern die Impfquoten niedrig sind, hat für den Soziologen Oliver Nachtwey auch strukturelle und kulturelle Gründe. Für föderale Länder etwa sei "eine gewisse Skepsis gegenüber dem Bund" typisch. Dieses Spannungsverhältnis habe sich während der Pandemie stark politisiert, erklärte er vergangene Woche dem Deutschlandfunk. Außerdem seien der Glaube an alternative Heilmethoden weit verbreitet und der Solidaritätsgedanke innerhalb der Gesellschaft geringer als in südeuropäischen Ländern.

Niedrigschwellige Angebote Aber nicht jeder Ungeimpfte ist ein Impfverweigerer. Besonders Menschen, die einer Impfung gegenüber eher positiv eingestellt sind, sollten niedrigschwellige Impfangebote gemacht werden, schlussfolgert die COVIMO-Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI). Eine Erweiterung der 2G-Regelungen würde laut der forsa-Umfrage hingegen kaum zu einer steigenden Impfquote führen. 27 Prozent der Befragten gaben an, dass eine Ausweitung auf den gesamten Freizeitbereich ihre Impfbereitschaft senke.

Lediglich eine Maßnahme würde bei 56 Prozent der Befragten zu einem Meinungsumschwung führen: die Zulassung eines Totimpfstoffs. Im Gegensatz zu den bisher zugelassenen mRNA- oder Vektorimpfstoffen werden hier inaktive oder abgetötete Krankheitserreger verabreicht. Der Körper erkennt diese als Fremdkörper und produziert als Immunreaktion Antikörper. Bewährte Impfstoffe, etwa gegen Grippe oder Polio, basieren auf diesem Wirkmechanismus. Mitte November hat mit Novavax der erste Hersteller die Zulassung eines Totimpfstoffs gegen Covid-19 in der EU beantragt.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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