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Claus Peter Kosfeld
Zweifel am Pflegebonus

Experten befürchten Ungerechtigkeiten

Gesundheitsexperten befürworten zwar im Grundsatz den geplanten Corona-Bonus für Pflegekräfte, fordern aber mehr Verteilungsgerechtigkeit und eine nachhaltige Aufwertung der Pflegeberufe. In einer Anhörung über den Gesetzentwurf (20/1331) der Fraktionen von SPD, Grünen und FDP kritisierten Sachverständige in der vergangenen Woche, dass viele Gesundheits- und Pflegefachkräfte, die in der Corona-Pandemie eine wichtige Arbeit leisten, bei der Sonderzahlung unberücksichtigt bleiben. Für die Prämie stehen eine Milliarde Euro bereit, 500 Millionen Euro für Krankenhäuser und 500 Millionen Euro für einen Bonus in der Langzeitpflege.

Nach Ansicht der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) sollten die Mittel aufgestockt werden. Problematisch sei die Abgrenzung der prämienberechtigten Mitarbeiter und anspruchsberechtigten Krankenhäuser. So würden durch die Anspruchsvoraussetzungen ein großer Teil der Kliniken und damit ein erheblicher Teil des Pflegepersonals von der Prämie ausgeschlossen. In der jetzigen Form führe der Bonus zu Abgrenzungsproblemen und Ungleichbehandlungen und drohe die verschiedenen Berufsgruppen zu spalten.

Der Deutsche Caritasverband forderte über den Bonus hinaus bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege: eine fundierte Pflegepersonalbemessung, die eigenverantwortliche Ausübung heilkundlicher Tätigkeiten sowie eine faire, angemessene Bezahlung. Der Bonus sei Ausdruck einer ad-hoc-Politik, der zudem viele Fragen aufwerfe, Unsicherheiten schaffe und Unzufriedenheit schüre.

Auch der Deutsche Pflegerat (DPR) warnte vor möglichem Unmut unter Pflegekräften. Schon die Bonus-Regelung von 2020 sei von vielen Pflegekräften als ungerecht empfunden worden. Bei all den Pflegenden, die nun den Bonus aufgrund der definierten Kriterien nicht bekämen, sei zu befürchten, dass sie sich und ihre Arbeit missachtet fühlten. Der Bonus sei ohnehin nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Pflegeberuf müsse in allen Arbeitsbereichen dauerhaft attraktiver werden. Dazu gehörten höhere Löhne und ein wesentlich höherer finanzieller Ausgleich für unattraktive Arbeitszeiten. Der DPR regte einen Bonus auch für Leiharbeitskräfte an.

Der Verband medizinischer Fachberufe (vmf) forderte eine Ausdehnung der Prämie auf Medizinische und Zahnmedizinische Fachangestellte, die seit der Pandemie zentrale Aufgaben bei der Betreuung und Behandlung der Covid-Patienten übernähmen. Insbesondere die Medizinischen Fachangestellten seien in der Pandemie Garant für den Schutzwall vor den Kliniken. Diese Arbeit sei in der Coronakrise noch nie honoriert worden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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