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Ortstermin: GESCHICHTE DES ORTES IM HUMBOLDT FORUM
Denise Schwarz
Auf Spurensuche im Humboldt Forum

Dominikanerkloster, Renaissance- und Barockschloss, Bürgerschloss, Paradeplatz und Palast der Republik - Das Gelände des Humboldt Forums in Berlin hat im Laufe der Jahrhunderte einigen Zwecken gedient. Wie diese 800-jährige Geschichte in einem kurzen Film vermittelt werden kann, damit befassten sich Alfred Hagemann, Bereichsleiter für "Geschichte des Ortes" im Humboldt Forum, und sein Team. Keine leichte Aufgabe: Immer wieder packten sie neue Bilder von historischen Begebenheiten auf den Tisch, sortierten um und verwarfen die entstandenen Collagen, erzählt Hagemann. Bis der Künstler und Filmemacher Dominique Müller eine Idee hatte: Warum nicht genau das zum erzählenden Stil des Films machen? Keine Stimme aus dem Off, kaum Text. Nur ein weißer Tisch auf einer 27 Meter langen Leinwand, auf dem mit Fotos, abgebildeten Exponaten und Videos die historische Bedeutung dieses Ortes nachgezeichnet wird. Das Ergebnis können Besucher seit diesem Sommer im Videopanorama des Humboldt Forums sehen.

2002 entschied der Deutsche Bundestag, die Fassaden des ehemaligen Berliner Schlosses, einst eines der bedeutendsten Barockschlösser Nordeuropas, in Teilen zu rekonstruieren. Im Inneren sollte ein modernes Kulturzentrum entstehen: das Humboldt Forum. Neben den umstrittenen ethnologischen Ausstellungen beherbergt es vier Ausstellungen zur Geschichte des Ortes: Das Videopanorama, den Skulpturensaal, den Schlosskeller und die Spuren.

"Viele Menschen nehmen an, dass diese Ausstellungen dazu da sind, den Aufbau des Schlosses zu legitimieren", sagt Hagemann. Dies sei jedoch nicht der Fall. Sie beschränken sich daher auch nicht auf die Zeit des Renaissance- und Barockschlosses, in dem die Hohenzollern erst als Kurfürsten, später als Könige und Kaiser residierten. Vielmehr zeigten die Ausstellungen die "Vielfalt dieses Ortes" und seine Bedeutung auf, die weit über die Zeit der Monarchie hinausgeht.

Besonders deutlich wird dies durch die sogenannten Spuren: eine Reihe von Exponaten, die sich über das gesamte Forum verteilt. "Wir haben dieses Spurensystem entwickelt, weil wir wollten, dass die Besucher im ganzen Haus zufällig über die Geschichte stolpern und mit ihr konfrontiert werden", sagt Hagemann.

So steht beispielsweise mitten im Skulpturensaal zwischen drei Meter hohen Statuen aus der Barockzeit eine schlichte gläserne Urne. Es ist die Urne, in der die Volkskammer der DDR an diesem Ort 1990 über den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes entschieden hatte. Neben der historischen Bedeutung macht diese Spur auch den Unterschied zwischen unserer heutigen Demokratie und der früheren Monarchie deutlich: "Die Demokratie hat eben schlichte Symbole und braucht nicht den Prunk eines Barockschlosses, um sich zu legitimieren", so Hagemann. Sobald im kommenden Jahr die restlichen Ausstellungsräume des Humboldt Forums eröffnen, warten insgesamt 35 Spuren aus den vergangenen Jahrhunderten darauf, von den Besuchern entdeckt zu werden.Denise Schwarz

Aus Politik und Zeitgeschichte

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