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KULTUR
Alexander Weinlein
Forschung und Dialog

Zukunftszentrum für Europäische Transformation

Der Bundestag hat sich mehrheitlich für die Errichtung eines "Zukunftszentrums für Europäische Transformation und Deutsche Einheit" ausgesprochen. Mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen und der Unions-Fraktion nahm das Parlament am vergangenen Donnerstag einen entsprechenden Antrag von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP (20/1857) an, lediglich die AfD- und die Linksfraktion enthielten sich der Stimme. Die von der Bundesregierung vorgelegte Unterrichtung "Eckpunkte zur Einrichtung eines Zukunftszentrums für Deutsche Einheit und Europäische Transformation" (20/1764) wurde zur Beratung in den Kulturausschuss überwiesen.

Das Zukunftszentrum soll ein Ort sein, "an dem gesellschaftsrelevante Forschung, Dialog und Begegnung sowie Kunst und Kultur unter einem Dach zusammengeführt werden und Raum erhalten, um gesellschaftliche Transformationsprozesse umfassend zu beleuchten, wie sie in Europa durch die historischen Entwicklungen seit der KSZE-Schlussakte von 1975 angelegt wurden und nach dem Zerfall der Sowjetunion und dem Ende des Kalten Krieges stattgefunden haben", heißt es in dem Antrag. Angesiedelt werden soll das Zentrum in den ostdeutschen Bundesländern.

Obwohl sie nicht gegen den Antrag stimmten, kritisierten AfD und Linke das Konzept des Zukunftszentrums. Marc Jongen (AfD) warf der Koalition vor, sie versuche, "das historische Narrativ zu etablieren, die Friedliche Revolution und die deutsche Einheit seien quasi nichts anderes gewesen als eine Art Durchgangsstadium zu einem bunten und vielfältigen EU-Europa". Die Bürger der DDR seien aber nicht dafür auf die Straße gegangen, "damit unsere Souveränität an einen europäischen Superstaat mit Sitz in Brüssel verscherbelt wird".

Gesine Lötzsch .(Linke) monierte, "jeder Ostdeutsche auf der Straße" könne erzählen, was das Zentrum erforschen soll. Viel Ostdeutsche fühlten sich noch immer fremdbestimmt, die Treuhand habe mit der "Abwicklung von Wirtschaft, Wissenschaft, Sport und Kultur" in Ostdeutschland den "maximal möglichen Schaden" verursacht.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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