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Finanzen
Claus Peter Kosfeld
Geld für globale Gesundheitspolitik

Im Haushalt werden auch Mittel für die WHO bereitgestellt

Mit der Corona-Pandemie ist nicht nur die Aufmerksamkeit für die nationale Gesundheitspolitik gewachsen, die globale Gesundheitsnotlage hat auch gezeigt, wie wichtig ein international abgestimmtes Vorgehen gegen Infektionskrankheiten ist, die an Landesgrenzen nicht Halt machen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), 1948 mit dem Ziel gegründet, die Gesundheitsversorgung international zu verbessern, spielt dabei seit vielen Jahren eine zentrale Rolle. Geleitet wird die WHO seit Juli 2017 von dem Äthiopier Tedros Adhanom Ghebreyesus, der in der Corona-Pandemie auch einen engen Kontakt zum Gesundheitsausschuss des Bundestages gehalten hat.

Soforthilfe Die WHO mit ihrem Hauptsitz in Genf in der Schweiz bietet ihren 194 Mitgliedstaaten fachliche Unterstützung, sie bewertet gesundheitliche Entwicklungen, unterstützt die medizinische Forschung und leistet Soforthilfe bei aktuellen Krisen. Die WHO hat viele internationale Gesundheitskrisen gemanagt und befasst sich mit einigen global auftretenden Krankheiten seit Jahrzehnten, etwa mit der Immunschwächekrankheit AIDS, der Tuberkulose oder Grippe. Es war die WHO, die am 30. Januar 2020 die Verbreitung des neuen Coronavirus als "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" einstufte und am 11. März 2020 den Corona-Ausbruch als Pandemie.

Zu den Aufgaben der WHO gehört es, in der Gesundheitspolitik Leitlinien, Standards und Methoden global zu vereinheitlichen. Fachleute der WHO sorgen in Krisenlagen für eine weltweite Koordination der Aktivitäten, etwa im Kampf gegen übertragbare Krankheiten. Die WHO befasst sich darüber hinaus mit gesundheitlichen Risikofaktoren wie Tabak, Alkohol oder Übergewicht.

Auch im Bundeshaushalt spiegeln sich die Bedeutung der globalen Gesundheitspolitik und speziell der WHO. Dort sind im Kapitel "Internationales Gesundheitswesen" die Mittel für die Zusammenarbeit mit rund 159 Millionen Euro veranschlagt. Ausgabenschwerpunkte sind die Gelder zur "Stärkung der internationalen öffentlichen Gesundheit" in Höhe von rund 86,6 Millionen Euro, Beiträge an internationale Organisationen samt Mitgliedsbeitrag für die WHO mit rund 28,3 Millionen Euro und die Unterstützung des WHO Hubs for Pandemics and Epidemic Intelligence in Berlin mit 30 Millionen Euro. Der WHO-Hub soll über eine globale Drehscheibe pandemische Ausbrüche frühzeitig erkennen und möglichst verhindern. Dazu erheben Fachleute Daten und werten sie aus.

Affenpocken Jüngst hat sich die WHO mit den Affenpocken befasst, die in Europa und auch in Deutschland aufgetreten sind. Im Mai wurden der WHO global mehr als 300 Fälle gemeldet. Das Virus (Monkeypox virus, MPXV) ist bisher nur in zentral- und westafrikanischen Ländern endemisch. Die WHO sei derzeit "nicht besorgt über eine weltweite Pandemie", hieß es. Allerdings wird der jüngste Ausbruch außerhalb Afrikas als ungewöhnlich einstuft.

Unklar ist laut WHO, ob die Ausbreitung des Virus eingedämmt werden kann. Mit Sorge wird die mögliche Ausbreitung bei Festivals im Sommer gesehen. Die WHO prüft, ob der Ausbruch als "potenzieller Gesundheitsnotfall von internationaler Tragweite" eingestuft werden sollte.

Normalerweise wird das Virus vom Tier auf den Menschen übertragen (Zoonose), es kann sich aber auch bei engem Körperkontakt von Mensch zu Mensch verbreiten. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erklärte unlängst, eine allgemeine Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht. Infizierte sollen mindestens 21 Tage lang isoliert werden.

Präventiv hat Deutschland 40.000 Dosen Pocken-Impfstoff bestellt, um vor allem Kontaktpersonen von Infizierten zu impfen. Eine Massenimpfung ist nicht vorgesehen. Wer schon einmal eine Impfung gegen Menschenpocken (Variola) bekommen hat, ist vermutlich gegen die Affenpocken immun. Nach einer Infektion klingen die Symptome, darunter die typischen Pusteln auf der Haut, in den meisten Fällen von selbst wieder ab. In seltenen Fällen kann die Virusinfektion zu einem schweren Verlauf und auch zum Tod führen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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