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Ortstermin: Ausstellung 70 Jahre Luxemburger Abkommen
Denise Schwarz
Keine Frage der Wiedergutmachung

Ob es eine Wiedergutmachung für die Verbrechen des Zweiten Weltkrieges geben könne, sei lediglich eine rhetorische Frage, hat Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) bei der Ausstellungseröffnung "70 Jahre Luxemburger Abkommen" vergangenen Dienstag im Paul-Löbe-Haus gesagt. Denn für die Gräueltaten der Nationalsozialisten gebe es keine Form der Wiedergutmachung. Mit dem Luxemburger Abkommen können daher nur die Folgen des Leids gelindert und Verantwortung für die Opfer übernommen werden.

Am 10. September 1952 wurde das Luxemburger Abkommen zwischen Deutschland, Israel und der Jewish Claims Conference, die die Holocaust-Überlebenden vertrat, geschlossen. Die Bundesrepublik verpflichtet sich darin, Israel und die Überlebenden des Holocausts finanziell zu entschädigen.

In Israel führte bereits die Idee eines Abkommens zu Spannungen. Weite Kreise der Gesellschaft lehnten Gespräche mit dem Täterland Deutschland ab, der spätere israelische Ministerpräsident Menachem Begin sprach von "Blutgeld". Mit knapper Mehrheit stimmten die Abgeordneten der Knesset für die Verhandlungen.

Laut Greg Schneider, Vizepräsident der Jewish Claims Conference, war das Abkommen ein Novum, da es eine Entschädigung für Einzelpersonen vorsieht, die nach dem Krieg oftmals nichts mehr hatten, deren Leben zerstört waren. Leben wie das von Eva Szepesi, die mit ihrer Enkelin Celina Schwarz während der Ausstellungseröffnung ein Zeitzeugengespräch führte. Szepesis Biographie ist Teil der Ausstellung, die auf neun Würfeln die Entstehung und Auswirkungen des Abkommens anhand von Zahlen, Daten und persönlichen Geschichten darstellt.

In Budapest geboren, wird Szepesi mit zwölf Jahren in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau gebracht. "Ich hatte Hunger und Angst. Überall standen SS-Männer mit großen Hunden und Peitschen. Sie haben Befehle gerufen. Ihre Schreie höre ich bis heute", erzählte die 89-Jährige den Anwesenden auf Deutsch mit ungarischem Akzent. Ihre Stimme wirkte gefasst, während sie die Fragen ihrer Enkelin beantwortete. Nur einmal stockte Szepesi, sprach langsamer, als sie davon erzählte, wie durch die Kälte im Lager ihre Hände aufplatzten. Noch heute passiere dies, sobald es kälter werde. Überlebt habe Szepesi, weil die Wachleute sie bereits für tot hielten, als sie die Gefangenen zum Todesmarsch zusammentrieben.

Nach Ende des Krieges kehrte sie nach Budapest zurück, kam bei ihrem Onkel unter und wartete jeden Tag auf die Ankunft ihrer Mutter - 17 Jahre lang. Erst als ihre Enkelin Jahre später die Namen von Szepesis Mutter und Bruder im Buch der Ermordeten in Auschwitz findet, konnte sie endlich beginnen zu trauern.

1954 zieht sie mit ihrem Mann nach Deutschland. Sie spricht rund 50 Jahre nicht über das Erlebte, bekommt die finanzielle Entschädigung daher erst in den 1990er Jahren: "Die Unterstützung hat mir meine geliebten Menschen nicht zurückgebracht, aber es ist eine Anerkennung meines Leids", sagte Szepesi.Denise Schwarz

Die Ausstellung läuft noch bis zum 5. Oktober. Anmeldung können auf www.bundestag.de/parlamentarische_ausstellung erfolgen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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