Geburtenzahl auf niedrigstem Stand seit 1946 : AfD fürchtet "Aussterben des Souveräns"
Die AfD möchte die Deutschen dazu animieren, mehr Kinder zu bekommen. Ihre entsprechenden Anträge stoßen im Bundestag jedoch auf breite Ablehnung und scharfe Kritik.
Noch nie sind in der Nachkriegszeit so wenige Kinder in Deutschland geboren worden wie im Jahr 2025.
Rund 654.300 Kinder sind vergangenes Jahr in Deutschland geboren worden. Das ist der niedrigste Stand seit 1946, wie das Statistische Bundesamt jüngst berichtete. Danach überstieg die Zahl der Sterbefälle die der Geburten im Jahr 2025 um 352.000 - "das größte Geburtendefizit der Nachkriegszeit".
Am Donnerstag befasste sich der Bundestag mit der demografischen Entwicklung in Deutschland. Zur Debatte standen dabei erstmals zwei Anträge der AfD, überschrieben mit den Titeln “Deutschland braucht mehr Kinder - Neuausrichtung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung” und “Babys willkommen heißen - Nationaler Aktionsplan für eine familienfreundliche Gesellschaft”.
Union nennt AfD-Anträge teuer und wirkungsschwach
Ziel beider Vorlagen ist es nach den Worten des AfD-Abgeordneten Martin Reichardt, die "demografische Katastrophe unseres Landes zu beenden". Deutschland brauche "mehr Kinder", sonst drohe letztlich das "Aussterben des Souveräns des Grundgesetzes, nämlich des deutschen Volkes", sagte er. Dabei sei Einwanderung "keine Alternative zu eigenen Kindern".
Oliver Pöpsel (CDU) entgegnete, demografischer Wandel sei keine Katastrophe, sondern eine Herausforderung. Gute Familienpolitik sei ein "familien- und frauenfreundliches Bündel an Rahmenbedingungen für die partnerschaftliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf". Die AfD-Anträge seien dagegen teuer und "wirkungsschwach".
Grüne werfen AfD "völkische Weltvorstellung" vor
Misbah Khan (Grüne) warf der AfD vor, "in ihrem Weltbild zwischen guten und schlechten Familien" zu unterscheiden. "Gute Familien" seien danach "weiße, heterosexuelle Paarbeziehungen mit mindestens drei Kindern". Diese "völkische Weltvorstellung" entspreche in keiner Weise der Lebensrealität in Deutschland, doch sei der AfD "die Vielfalt der Familien ein Dorn im Auge".
Truels Reichardt (SPD) bezeichnete das Familienbild der AfD als "Respektlosigkeit gegenüber Familien, die nicht aus Mutter, Vater und Kind bestehen". Notwendig sei eine Entlastung des "Gesamtsystems Familie", die allen Familien zugutekomme. Das habe die AfD aber nicht im Sinn.
Mandy Eißing (Linke) nannte es eine "absolute Anmaßung", wenn Politiker "Frauen vorschreiben wollen, sie müssten Kinder gebären, um die Demografie zu retten". Sie beklagte zugleich, Elternschaft sei in Deutschland "für viele ein Armutsrisiko".