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Zugangsbarrieren und fehlende Informationen : Große Unsicherheiten bei legalen Abbrüchen

In einer Anhörung des Gesundheitsausschusses zur Versorgungslage für Frauen bei Schwangerschaftsabbrüchen haben Experten die Lage unterschiedlich beurteilt.

16.04.2026
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3 Min

Die medizinische Versorgungslage für Frauen, die einen legalen Schwangerschaftsabbruch anstreben, wird von Gesundheitsexperten unterschiedlich beurteilt. In einer Anhörung des Gesundheitsausschusses machten einige Sachverständige aber deutlich, dass Frauen oft nicht wüssten, an wen sie sich wenden sollen. 

Die Experten äußerten sich am Mittwoch in der Anhörung zu einem Antrag der Grünen-Fraktion sowie in schriftlichen Stellungnahmen. Die Abgeordneten fordern in dem Antrag, die Versorgungslage zu verbessern, damit ein selbstbestimmter Abbruch gemäß der geltenden Rechtslage möglich ist.

Foto: picture alliance / epd-bild

Im August 2025 fand in Lippstadt eine Demonstration gegen ein katholisches Abtreibungsverbot statt.

Der Gynäkologe Joachim Volz vom Klinikum Lippstadt kritisierte, es bestehe ein verfassungsrechtlicher Versorgungsauftrag zur Sicherstellung von Abbrüchen, doch dieser sei unter den rechtlichen Rahmenbedingungen nicht durchsetzbar. Katholische Krankenhausträger untersagten grundsätzlich Abbrüche in ihren Einrichtungen. 

In Städten wie Münster gebe es zudem keinen niedergelassenen Gynäkologen, der Abbrüche im Rahmen der gesetzlichen Regelungen anbiete. Viele Ärzte verzichteten aus rechtlicher Unsicherheit, Angst vor Strafverfolgung oder aufgrund "moralischer Überforderung" auf das Angebot von Abbrüchen.

Expertin sieht erhebliche Zugangsbarrieren zu Angeboten für Abbrüche

Auch der Deutsche Juristinnenbund verwies auf die problematische Versorgungslage. Die Ausgestaltung und Umsetzung des verfassungsrechtlichen Versorgungsauftrags durch die Bundesländer sei defizitär, weil eine umfassende Bedarfsplanung fehle. Die Versorgungssituation sei nachweislich problematisch und verschärfe sich zusehends.

Die Gynäkologin Mandy Mangler vom Vivantes Klinikum in Berlin sagte, Frauen wüssten im Bedarfsfall oft nicht, wohin sie sich wenden sollten, und hätten Sorge, stigmatisiert und weggeschickt zu werden. Es sei daher wichtig, Strukturen zu schaffen, um den Frauen zu helfen.

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Mehr Hilfe für betroffene Frauen forderte auch die Gesundheitswissenschaftlerin Daphne Hahn von der Hochschule Fulda, die von erheblichen Zugangsbarrieren zu Angeboten für Abbrüche sprach. Zu den Barrieren gehörten Schwierigkeiten, eine Einrichtung zu finden, die Wege zur Einrichtung, Zeitdruck durch längere Wartezeiten, Informationsbarrieren sowie die Kosten für den Abbruch. Besonders betroffen von der ungünstigen Versorgungslage seien in Armut lebende Frauen, Jugendliche, Frauen mit Sprachbarrieren, Frauen im ländlichen Raum und Frauen mit Gewalterfahrung.

Betroffene bräuchten insbesondere kompetente Informationen und professionelle Beratung

Zu einer anderen Einschätzung kam die Ärztin für Frauenheilkunde, Stephanie Wallwiener, von der Uniklinik Halle. Deutschland verfüge über ein flächendeckendes Netz an ambulanten und stationären Versorgungsstrukturen für Abbrüche. Von einer strukturellen Unterversorgung könne aber nicht gesprochen werden. Kristijan Aufiero von Profemina, einer Beratungsorganisation für Frauen im Schwangerschaftskonflikt, erklärte, der einseitige Ausbau einer Infrastruktur für Abbrüche entspreche nicht den Bedürfnissen und Wünschen betroffener Frauen. Kompetente Information, professionelle Beratung und tatkräftige Hilfe seien das wirksamste Mittel zur Lösung von Schwangerschaftskonflikten.

Der Deutsche Caritasverband erklärte, laut Schwangerschaftskonfliktgesetz (SchKG) sei niemand verpflichtet, an einem Abbruch mitzuwirken. Das Recht eines katholischen Krankenhauses, Abbrüche zu verweigern, die nicht wegen einer medizinischen Notlage erforderlich sind, resultiere aus den Glaubenssätzen der Kirche. Christoph Radbruch vom Deutschen Evangelischen Krankenhausverband (DEKV) sagte, eine Verpflichtung für Kliniken, Abbrüche anzubieten, greife zu kurz, denn Abbrüche würden meist ambulant ausgeführt.

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