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"Meuterei im Paradies" kurz rezensiert : Brotfruchtbäume für Englands Sklaven

Simon Füchtenschnieder befreit die "Meuterei auf der Bounty" von Mythen und Legenden und ordnet ihre sie in den kolonialen Kontext des 18. Jahrhunderts ein.

23.02.2024
2024-02-23T17:08:24.3600Z
2 Min

Wer an Meuterei in der Seefahrtsgeschichte denkt, der denkt an die "Bounty". In gleich mehreren Spielfilmen, Hörspielen, Romanen und Theaterstücken ist der Stoff verarbeitet worden und diese Rezeption hat die historischen Ereignisse massiv überlagert und verfälscht. Als am 28. April 1789 der Schiffskommandant William Bligh von meuternden Seeleuten unter der Führung des Steuermannsmaats Fletcher Christian seines Kommandos enthoben wird und gemeinsam mit 18 weiteren Seeleuten in einem Beiboot in den Weiten der Südsee ausgesetzt wird, ist dies eben nicht die Tat unterdrückter Seeleute, die gegen einen unfähigen und tyrannischen Kapitän aufbegehren. Dies arbeitet der Historiker Simon Füchtenschnieder in seinem Buch "Meuterei im Paradies" überzeugend heraus.

Foto: picture alliance / Everett Collection

Kommandant William Bligh und 18 weitere Seeleute der "Bounty" werden in einem Beiboot ausgesetzt. Aquarell von Robert Dodd.

Es ist nicht die erste Darstellung, die den historischen Stoff von all den Legenden und Mythen um die "Bounty" befreien möchte. Die britische Autorin Caroline Alexander hatte bereits 2003 eine beachtliche Publikation über die wahre Geschichte der "Bounty" vorgelegt.

Einordnung der Meuterei auf der "Bounty" in die Wirtschafts- und Kolonialgeschichte

Füchtenschnieders Verdienst besteht unter anderem darin, dass er die Meuterei auf der "Bounty" in die Wirtschafts- und Kolonialgeschichte des 18. Jahrhunderts einordnet. Bligh und seine Mannschaft sollten Ableger des Brotfruchtbaums von Tahiti in der Südsee zu den britischen Kolonien in der Karibik bringen. Dort schufteten abertausende von Sklaven auf den Zuckerrohrplantagen. Aber deren Ernährung erwies sich als zunehmend problematisch, da infolge der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten die Ausfuhr von Lebensmitteln ausblieb.

Füchtenschnieder hat eine wissenschaftlich solide, mit umfangreichen Quellen belegte Darstellung vorgelegt. Wer Abenteuerromantik sucht, ist bei ihm an der falschen Adresse. Allerdings ist die Stärke seines Buches zugleich auch seine Schwäche. Füchtenschnieders Erzählstil wirkt angesichts des spannenden Stoffes mitunter doch etwas hölzern.

Simon Füchtenschnieder:
Meuterei im Paradies.
Die Fahrt der Bounty und die globale Wirtschaft im 18. Jahrhundert.
Klett-Cotta,
Stuttgart 2024;
304 Seiten, 25,00 €