Piwik Webtracking Image

Vor 40 Jahren... Musikalische Annährung zwischen Israel und Deutschland

Bei einem Staatsbesuch in Israel von Bundeskanzler Helmut Kohl wird die deutsche Nationalhymne gespielt. In der Folge wird auch ein weiterer Musikboykott beendet.

02.02.2024
2024-02-20T14:22:29.3600Z
3 Min

Die israelische Regierung erlaubt am 5. Januar 1984, dass wieder Stücke der deutschen Komponisten Strauss und Wagner im Radio gespielt und aufgeführt werden dürfen. 

Helmut Kohl an der Klagemauer im Jahr 1984.   Foto: picture alliance / AP | HERIBERT PROEPPER

Politische Misstöne gab es Anfang 1984 zwischen der Bundesrepublik und Israel einige: Da war etwa die Frage deutscher Waffenlieferungen an Saudi-Arabien. Oder die Ankündigung aus Bonn, eine Organisation ehemaliger Angehöriger der Waffen-SS aus dem Verfassungsschutzbericht zu streichen.

Bei aller Kritik gab es aber auch versöhnliche Töne: Nachdem bereits während eines Besuchs von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) Ende Januar 1984 die deutsche Nationalhymne öffentlich gespielt worden war, hob der israelische Rundfunk am 5. Februar auch den Boykott der Werke von Richard Strauss und Richard Wagner auf.

Die beiden deutschen Komponisten galten im jüdischen Staat als Galionsfiguren der Nazis. So fiel Wagner (1813-1883) zu Lebzeiten nicht nur durch seine Opern, sondern auch durch antisemitische Äußerungen auf. Adolf Hitler verehrte Wagner: Dass in dessen Werken häufig männliche Helden in Führerrollen schlüpften und die Idee der Volksgemeinschaft ein wichtiges Thema war, gefiel ihm. Strauss (1864-1949) arrangierte sich zwar mit dem NS-Regime und wurde Präsident der Reichsmusikkammer.

Besuch von Kanzler Kohl hatte Einfluss

Wegen seiner Unterstützung des jüdischen Schriftstellers Stefan Zweig fiel er bei den Nazis aber zeitweise in Ungnade. Seit der Gründung des Staates Israel durften dort keine Werke von Strauss und Wagner aufgeführt werden. Dass sich das 1984 änderte, hatte auch mit dem Kohl-Besuch zu tun: "Wenn diese Hymne, die uns Juden an unsere schlimmsten Zeiten und Tragödien erinnert, öffentlich gespielt wird", sagte ein Sprecher von Radio Jerusalem mit Blick auf den Empfang des deutschen Kanzlers, "dann darf auch andere Musik gespielt werden."