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Parlamentarisches Profil Aus der Mitte: Ottilie Klein

Ottilie Klein (CDU) setzt sich im Ausschuss für Arbeit und Soziales für mehr Chancengerechtigkeit ein - auch weil sie weiß, welche Rolle soziale Herkunft spielt.

07.03.2022
2024-02-27T16:57:57.3600Z
5 Min

Der Boulevard Unter den Linden zeigte sich in einem März schon mal freundlicher. Polizeiwagen sperren die Botschaft Russlands ab, vom Brandenburger Tor her arbeitet sich ein Trupp grimmiger Schüler zur Vertretung vor, entlang blasser Fassaden unter Himmelsgrau, sie halten Schilder hoch. Wut steht in ihren Gesichtern ob des Kriegs der russischen Führung in der Ukraine. Winter ist wieder. Den Polizisten fröstelt es.

Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Frederic Kern/Geisler-Fotopress

Ottilie Klein ist CDU-Abgeordnete des Wahlkreises Berlin-Mitte. Seit September ist die gebürtige Baden-Württembergerin auch Generalsekretärin ihrer Partei.

Die Jugendlichen passieren das Haus mit der Nummer 71, ein Gebäude mit Abgeordnetenbüros. In einem oberen Stockwerk, am Ende eines verwinkelten Ganges, kommt Ottilie Klein in ihr Büro. "Es ist bewegend zu sehen, wie viele Menschen auf die Straße gehen, um gegen Putins Angriffskrieg zu protestieren", sagt sie. Klein, 38, CDU-Abgeordnete für den Wahlkreis Berlin-Mitte, setzt sich.

Investitionen in die Bundeswehr sind nötig

Kleins Büro kämpft mit kleinen Holzherzen im CDU-Orange gegen das Grau - Präsente der Mitarbeiter zu ihrem Geburtstag vor einer Woche. Neben dem Schreibtisch steht ein Punchingball, zum Abreagieren für die Hobbykickboxerin. Was Putin eingeleitet habe, sagt sie, sei eine Zeitenwende.

"Deshalb ist es richtig, dass nun auch die Ampel-Koalition ihren Kurs geändert hat und Investitionen in die Bundeswehr vorsieht", sagt Klein und verweist auf die beständige Unionsforderung, zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts für den Verteidigungshaushalt auszugeben. "Als Unionsfraktion unterstützen wir die Bemühungen der Bundesregierung. Wie unser Fraktionsvorsitzender im Bundestag gesagt hat: Wir gehen diesen Weg gemeinsam".


„Wir brauchen mehr Chancengerechtigkeit, vor allem im Bildungssystem.“
Ottilie Klein, CDU

Klein hat einen genaueren Blick auf Osteuropa als andere. Ihre Eltern sind in der Sowjetunion in Tadschikistan und Kasachstan aufgewachsen, ihre Großeltern gehörten zu den Schwarzmeerdeutschen, "die Russlanddeutschen haben in der Vergangenheit selbst Krieg und Vertreibung erleben müssen". Die Eltern siedelten Anfang der 1980er in die DDR und dann ins badische Villingen-Schwenningen, wo Klein ein Jahr später 1984 geboren wurde. "Die Sorge in der Community der Russlanddeutschen wegen des Krieges ist sehr groß", sagt sie, "die Verbindungen zwischen Russland und der Ukraine sind eng, man spricht teilweise die gleiche Sprache."

Ihre familiären Wurzeln haben auch zu ihrem politischen Engagement beigetragen. "Mich störte, wie die AfD 2016 in Berlin gezielt um die Stimmen der Russlanddeutschen warb", erinnert sie sich. Klein wandte sich an das Netzwerk Aussiedler der Partei, kam zum CDU-Ortsverband Moabit - und legte los. Wurde Bürgerdeputierte in der Bezirksverordnetenversammlung, begann als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundestag und wurde Büroleiterin des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Berliner Abgeordnetenhaus. Schließlich wurde Klein gefragt, ob sie für den Bundestag kandidieren wolle. Eine berufliche Laufbahn im Eiltempo, das weniger überraschend aussieht, wenn man sich die Jahre vor 2016 anschaut.

Von Bonn über die Welt nach Berlin

Trotz guter Noten erhielt die Arbeitertochter in Baden-Württemberg keine Gymnasialempfehlung, machte die Erfahrung, dass soziale Herkunft viel wiegt. Auf der Realschule erkannte man ihre Talente, dann der Wechsel aufs Wirtschaftsgymnasium und die Universität Bonn: Dem Studium der Regionalwissenschaften Nordamerikas und einem Auslandsjahr am Mount Holyoke College in Massachusetts folgte ein Master of Studies in Oxford und schließlich eine binationale Promotion in Literaturwissenschaften in Gießen und Helsinki. Thema: "Die Figur der Mörderin im amerikanischen Drama". Und schließlich ein Abstecher zum Bundesverband Öffentlicher Banken, wo sie seit April 2020 als Abteilungsleiterin zu Strategie und Gremien arbeitete.

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Im Bundestag sitzt die Parlamentsnovizin in den Ausschüssen für Arbeit und Soziales sowie für Angelegenheiten der EU, bereichert damit die Palette der von ihr bearbeiteten Themen um weitere Facetten. Es sind solche, die sie vor der Haustür hat. Klein wohnt in Moabit, ein Kiez der Extreme vom Arm bis Reich. "Ich will Perspektiven schaffen", sagt sie, und auch mit Blick auf ihre eigene Biografie: "Wir brauchen mehr Chancengerechtigkeit, vor allem im Bildungssystem."