Goldreserven in New York und London : AfD will Bundesbank-Gold nach Deutschland holen
Die AfD-Abgeordneten fürchten den Kollaps des Papiergeldsystems. Die übrigen Fraktionen sprechen von Alarmismus: Die Reserven der Bundesbank seien im Ausland sicher.
"Am Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen!", klagt Margarete in Goethes Faust. Der Dichter stammte bekanntlich aus Frankfurt, damals bereits ein wichtiges Finanzzentrum. Goethe verkehrte dort unter anderem mit dem Bankier Friedrich Metzler. Später trug er als Finanzminister des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach fiskalpolitische Verantwortung.
Dem Trend der Zeit, dass eben nicht nur Gold, sondern auch nach Geld in Papierform gedrängt wurde, stand der deutsche Meisterdichter aber wohl eher skeptisch gegenüber. "Zu wissen sei es jedem, der's begehrt: Der Zettel hier ist tausend Kronen wert", lässt er den Kanzler im Faust II erklären. "Und meinen Leuten gilt's für gutes Gold?", fragt daraufhin der Kaiser verblüfft zu dem Umstand, der heute keine große Rolle mehr spielt.
Im Tresorraum der Bundesbank in Frankfurt lagert ein Großteil der deutschen Goldreserven.
Denn die Deckung der Währung mit Gold oder Silber ist seit mehr als einem halben Jahrhundert Geschichte. 1971 zerbrach das sogenannte Bretton-Woods-System, in dem die USA den Dollar an Gold gekoppelt hatten. Seitdem arbeitet die Weltwirtschaft mit Papiergeld ohne Deckung. Dem Wachstum von Wirtschaft und Wohlstand hat es nicht geschadet, und auch die Inflation blieb dank unabhängiger Notenbanken weitestgehend unter Kontrolle.
Das Vertrauen in die Währungshüter sorgt für Preisstabilität. "Nicht alle Deutschen glauben an Gott, aber alle an die Bundesbank", wusste bereits 1992 der damalige EU-Kommissionspräsident Jacques Delors.
Knapp die Hälfte der deutschen Gold-Reserven lagert in den USA und England
Trotzdem lässt die Debatte über die Goldreserven der Deutschen Bundesbank noch immer die Emotionen hochkochen. So auch am vergangenen Mittwochabend im Deutschen Bundestag. Die AfD-Fraktion hatte einen Antrag vorgelegt, demzufolge das Bundesbank-Gold künftig ausschließlich in Deutschland gelagert werden soll. Laut dem World Gold Council betragen die deutschen Goldreserven 3.350 Tonnen. Knapp die Hälfte davon lagert in den Tresoren der amerikanischen Zentralbank ("Fed") in New York oder in London bei der Bank of England. Gesamtwert: 225 Milliarden Euro.
„Das Gold der Bundesrepublik Deutschland ist auch in den Tresoren der Federal Reserve Bank in New York City sicher.“
Dieses Gold will die AfD-Fraktion nach Deutschland holen. So solle sich die Bundesrepublik unter anderem für das Szenario rüsten, dass das Papiergeldsystem des Euro kollabiert. Die Bundesregierung solle sicherstellen, "dass die Lagerung der Goldreserve zukünftig ausschließlich innerhalb der Bundesrepublik Deutschland erfolgt, um für Deutschland die Option einer (teilweisen) Golddeckung einer künftig möglicherweise wieder nationalen Währung post Euro zu erhalten", fordert die AfD. Ferner solle das Gold einen "verfassungsrechtlich abzusichernden bilanziellen Sonderstatus" in der Bundesbank-Bilanz als "Bürgergold" erhalten. So soll es auch nicht in Haftung für gemeinschaftliche Schulden auf europäischer Ebene genommen werden können.
In der Debatte verwies Peter Boehringer (AfD) unter anderem darauf, dass fast jeder zweite Staat aktuell seine Goldvorräte aufstocke. "Immer mehr Zentralbanken fürchten, dass sie ihr fremdgelagertes Edelmetall nicht zurückbekommen. Der Verbleib der goldenen Währungsreserve im Ausland ist nicht zu rechtfertigen." Der Abgeordnete kritisierte die Bundesbank, die sich gegen eine solche Rückholung ausgesprochen habe. Ihr Handeln sei "ahistorisch" und "irrational", befand Boehringer.
Lagerung in London, New York und Frankfurt erfüllt wichtige strategische Ziele
Mechthilde Wittmann (CSU) lehnte die Forderung der AfD rundherum ab und sprach von einem "Witzantrag". Die Goldreserven seien ein "wahrer Schatz". Mit diesen Reserven dürfe man "eben nicht mit Alarmismus, nicht mit Schlagworten, nicht mit ideologischem Bling-Bling und schon gar nicht politisch fahrlässig" umgehen.
„Dieses Gold halten wir nicht, weil es einen inhärenten Wert besäße, sondern um es theoretisch, im absoluten Krisenfall, gegen Güter oder Devisen eintauschen zu können.“
Die Christsoziale betonte, dass die Goldlagerung in den letzten Jahren strategisch neu geordnet worden sei. So sei etwa das Lager in Frankreich aufgegeben worden. Bei der Fed in New York wisse man das Gold außerordentlich gut aufgehoben, so die Abgeordnete. Aufgrund der herausgehobenen Stellung des US-Dollars sei es auch sachlich richtig, einen Teil der Reserve in den USA zu lagern.
Sebastian Schäfer (Bündnis 90/Die Grünen) warf der AfD vor, erneut eine Scheindebatte vom Zaun zu brechen. "Das Gold der Bundesrepublik Deutschland ist auch in den Tresoren der Federal Reserve Bank in New York City sicher", sagte der Abgeordnete. Die Lagerung der Goldreserve nicht nur in Frankfurt, sondern auch in London und New York erfülle im Falle einer Krise wichtige strategische Ziele, so Schäfer.
Auf diesen Punkt verwies auch Philipp Rottwilm (SPD). "Dieses Gold halten wir nicht, weil es einen inhärenten Wert besäße, sondern um es theoretisch, im absoluten Krisenfall, gegen Güter oder Devisen eintauschen zu können", so der Sozialdemokrat.
Die Linke schlägt stattdessen vor, Teile der Reserve zu verkaufen
Doris Achelwilm (Die Linke) regte an, darüber nachzudenken, ob das Volumen der Goldreserve noch angemessen ist oder ob ein relevanter Teil verkauft werden könne. "Aber die komplexe Finanzwelt mit der paranoiden Gedankenwelt dieses sechsseitigen AfD-Antrags zu kreuzen, das lassen wir auf jeden Fall besser sein", sagte die Abgeordnete. Der Antrag wird nun federführend im Finanzausschuss beraten.
Die Bundesbank übrigens drängt gerade eher vom Golde weg, zumindest physisch. Da ihre Pläne für einen neuen Campus auf ihrem Stammsitz in Frankfurt-Bockenheim sowie eine Renovierung des alten Gebäudes dort aus Kostengründen abgeblasen worden sind, will sie in die Frankfurter Innenstadt ziehen. Das Gold aber soll in den Tresoren in Bockenheim bleiben.