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Foto: picture alliance/dpa/Jörg Carstensen
Viel Müll in Parks: In vielen Städten, wie hier in Berlin-Mitte, wird der Abfall immer mehr.

Berlin und sein Abfall : Szenen aus dem Müll-Dorado

Zwischen Vermeidung, Erforschung und Entsorgung: Drei Menschen erzählen über Verzicht, Schätze im Abfall und alltägliche Achtlosigkeit im Umgang mit Unrat.

26.07.2021
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11 Min

Müllvermeiderin Isabelle Ritter: "Ich möchte sensibilisieren und nicht missionieren"

Die Datteln schaufelt Isabelle Ritter mit Hilfe eines Trichters ins Glas. Auf den Deckel hat sie 1060 geschrieben. Das ist die Grammzahl ihres mitgebrachten Gefäßes. Die orientalischen Leckereien plant die 28-Jährige auch für den nächsten Ausflug zum See ein. Quinoa, Spaghetti, eine Flasche Apfelsaft stehen noch auf ihrem Handy-Einkaufszettel. Seit zwei Jahren ernährt sie sich vegan. An der Kasse im Laden ohne Verpackungen "Der Sache wegen" in Prenzlauer Berg wird das Nettogewicht ihrer Einkäufe ermittelt. Rund 20 Euro muss sie bezahlen.

Ganz schön teuer. Aber es handelt sich um Bioprodukte oder regionale Artikel. Ausschließlich im Unverpackt-Laden einkaufen könne sie sich nicht leisten. Also muss Ritter zusätzlich in die Supermärkte gehen. Bei Rewe holt sie loses Obst und Gemüse, bei Penny Kokos-Joghurt, im Drogeriemarkt Kosmetika ohne Mikroplastik. Für sämtliche Stellen hat sie ihre digitalen Einkaufslisten. Am allerliebsten bezieht sie Lebensmittel über ihre App "Too good to go". Dort werden Lebensmittel in Überraschungstüten für wenig Geld verkauft, welche ansonsten im Supermarkt aufgrund von Verfallsdatum oder Qualitätsmängeln vernichtet würden. "Ich hatte gestern eine Tüte, da war Mangold drin. Ich habe noch nie in meinem Leben Mangold gekauft." Also gab's Mangold bei Isabelle.

Ritter kommt auf einen halben gelben Sack Verpackungen im Monat

Für Ritter ist es zum Grundsatz geworden, auf Verpackungen möglichst zu verzichten. Seit dem sie das tut, hat sich ihr Verpackungsmüllaufkommen deutlich verringert. Einen halben gelben Sack füllt sie noch im Monat. Das hat sie mal getestet. Freilich kostet ihre Art einzukaufen mehr Zeit. Aber sie konzentriert sich auf Basics im Unverpackt-Laden. "Dann habe ich keinen Stress." Und verrückt machen wolle sie sich nun auch nicht.

Zeit ist für die junge Frau ein kostbares Gut, weil sie ihre Aktivitäten breit gestreut hat. Sie ist seit diesem Jahr hauptamtliche Mitarbeiterin beim BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) im Projekt "Berlins Weg zu Zero Waste". Ehrenamtlich engagiert sie sich im Zero Waste Verein, gibt Geflüchteten Nachhilfe in Rechnungswesen. Da kann sie, die in der Nähe von Göttingen aufgewachsen ist, auf ihre Kenntnisse aus ihrer Ausbildung als Einzelhandelskauffrau zurückgreifen und ihr Fernstudium in Betriebswirtschaftslehre. Ausgleich findet die große Sportliche im Jeansrock sowohl beim Ballett und Yoga als auch beim Surfen und Snowboarden.


Isabelle Ritter und ihr Einkauf aus dem Unverpackt Laden.
Foto: Almut Lüder
„Ich kann mit dem Kassenbon meine Meinung zum Ausdruck bringen.“
Isabelle Ritter

Im letzten Jahr ist sie von ihrer Auszeit aus Neuseeland zurückgekehrt. Das Muscheltattoo auf ihrer linken Wade erinnert sie stets an diese schöne Reise und das Meer. Doch erinnert es sie auch an Schreckliches: "Viele Strände waren dreckig. Das viele Plastik selbst in Neuseeland und vor allem auf Bali, wo ich zwei Jahre zuvor war, war ganz schlimm." Nach Angaben des Bundesumweltamtes wurden im Jahr 2018 allein in Deutschland 18,9 Millionen Tonnen Verpackungsmüll registriert.

Engagement für die Vermeidung von Müll ist ein Prozess 

Selbst das als schick geltende Prenzlauer Berg findet die Wahl-Berlinerin "dreckig und vermüllt". Ritter lässt ihren Blick von der Parkbank am Helmholtzplatz gegenüber des Ladens über den Sand wandern. Zigarettenkippe an Zigarettenkippe, Kronkorken. Ein Ärgernis, das von Achtlosigkeit und Ignoranz zeugt. Dabei gibt es wenige Meter entfernt gleich drei Papierkörbe. Wenn sie mit Freunden auf dem Tempelhofer Feld sei, dann nehme sie ihren Müll in einer Tüte anschließend mit und sammele obendrein fremden ringsum ein. Konfrontiert mit den "Fridays for Future"-Demonstrationen, bei denen die Plätze manchmal aussehen wie die rund ums Wembley-Stadion nach der Fußball-EM, reagiert sie eindeutig: "Das gehört sich nicht." Auf die Müllsortierung ihrer Nachbarn im Haus wirft sie ein wachsames Auge und klärt beispielsweise mit einem Zettel auf: "Es wäre cool, wenn ihr keine Bioplastiktüten kauft. Diese werden von den Müllsortierungsanlagen nicht als Bioplastik erkannt. Liebe Grüße".

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Ritter räumt ein, dass ihr Engagement für die Vermeidung von Müll für sie ein Prozess war und noch ist. Als sie auf Reisen die verdreckten Strände erlebte, beschloss sie, ihr Leben und ihren Einfluss zu verändern. Auch beruflich. Sie animiert: "Ich kann auch mit dem Kassenbon meine Meinung zum Ausdruck bringen. Wenn wir Produkte mit umweltschädlichen Verpackungen nicht kaufen, werden sie die Unternehmen aufgrund mangelnder Nachfrage vom Markt nehmen." Sie spricht sich für die Einführung einer Plastiksteuer aus.

Zäh muss eine Umweltaktivistin sein aber nicht radikal. "Ich möchte eine Person sein, die Menschen mitnimmt auf ihre Art und Weise, Grenzen akzeptiert, auch wenn sie sagen: Ich möchte auf mein verpacktes Schnitzel nicht verzichten." Und dabei denkt Ritter auch an ihre Joghurts im Plastikbecher zuhause.

Natürlich weiß sie um ihre eigene Widersprüchlichkeit. Flugreisen ans andere der Welt treibt den CO2-Ausstoß in die Höhe. "Ich als Einzelperson kann nicht alles richtig machen." Alle zwei Jahre ein Langstreckenflug finde sie in Ordnung. Sie lässt auch anderen gegenüber Milde walten. "Ich möchte sensibilisieren und nicht missionieren." Es gehe darum, dass jeder in seinem kleinen Radius etwas verändere. Auf Ritters rechtem Arm ist verewigt "Use your voice". Als sie nach 20 Minuten "Der Sache wegen" verlässt, war sie die einzige Kundin. Das Geschäftsprinzip habe sich noch nicht genügend rumgesprochen. In Deutschland gibt es nach "Unverpackt e.V." 432 Läden ohne Verpackungen. 2020 waren es erst 272.


Müllarchäologin Eva Becker: "Selbst Fahrradkörbe werden als Abfalleimer missbraucht"

Wenn Eva Becker durch die Straßen der Hauptstadt läuft, dann nimmt ihr geschultes Auge Dinge wahr, die der Großstädter meist nur noch unbewusst registriert: Müll - in all seinen Erscheinungsformen, in denen er das Stadtbild Berlins prägt. "Schauen Sie mal hier", sagt sie und deutet auf eine kleine Infotafel einer Reederei am Geländer des Spreeufers zwischen Hauptbahnhof und Kanzleramt. Ein kleiner Plexiglasbehälter an der Tafel offeriert nicht wie versprochen die aktuellen Fahrpläne für Schiffsfahrten auf der Spree oder zum Wannsee. Dafür gibt es eine zerknüllte Packung "Fisherman's Friend", eine FFP2-Maske, gebrauchte Taschentücher und anderen Abfall.

"Fahr mal den Müll weg": Ein Fahrradkorb als Abfalleimer.   Foto: Eva Becker

"Solche Stellen findet man überall in Berlin", weiß Eva Becker zu berichten. So ziemlich alles werde als Abfalleimer missbraucht. "Zum Beispiel Fahrräder mit Einkaufskörben. Lassen Sie Ihr Rad mal eine halbe Stunde irgendwo an der Friedrichstraße stehen. Wenn Sie zurückkommen, haben sie beste Chancen, in ihrem Korb einen Kaffee-Becher vorzufinden. Ganz nach dem Motto: Fahr mal meinen Müll weg! Man fragt sich schon, was in den Köpfen der Menschen so vorgeht." Dies ist eine von vielen Fragen, auf die Eva Becker Antworten sucht während ihrer Müll-Spaziergänge durch die Hauptstadt.

Diese Antworten sucht die gebürtige Rheinländerin nun bereits seit gut zehn Jahren - und zwar mit wissenschaftlicher Akribie. Gut 10.000 Fotos umfasst ihr Archiv, das den Müll der Großstadt dokumentiert. Alle verschlagwortet nach Art und Fundort. "Berlin ist ein wahres Müll-Dorado", sagt Becker mit sarkastischem Unterton. Prenzlau, wohin sie vor zwei Jahren umgezogen ist, sei da "deutlich weniger ergiebig". Was auf den ersten Blick als ein spleeniges Hobby erscheinen mag, ist für Eva Becker Profession: Sie ist die einzige Müllarchäologin Deutschlands.

In der Siedlungsarchäologie ist Müll ein Goldschatz

Dass Archäologen regelrecht im Müll wühlen, ist weder ungewöhnlich noch neu. Vor allem in der Siedlungsarchäologie ist Müll ein wahrer Goldschatz. Er verrät, wo und wie unsere Vorfahren vor tausenden von Jahren gelebt haben, welche Materialien sie verarbeiteten, welche Nahrung sie zu sich genommen haben, welche Werkzeuge sie benutzten. Im Gegensatz zu den klassischen Archäologen muss Becker nicht im Erdreich graben. Die gewonnen Erkenntnisse seien aber ganz ähnlich, betont die Müllarchäologin.

Auf ihrem Blog veröffentlicht sie Fundstücke und macht sich so ihre Gedanken über den Umgang der Gesellschaft mit ihrem Müll. Ansonsten ist Becker zurückhaltend mit der Öffentlichkeit: "Ein Foto von mir? Nein. Mein Alter? Was schätzen Sie denn?" Ihre Augen lachen schelmisch. “Das Thema ist wichtig, nicht meine Person.”

Eva Beckers Sprache verrät ihren professionellen Hintergrund: Die achtlos weggeworfene Zigarettenkippe, die ausrangierte verschimmelte Matratze auf dem Gehweg oder der Kaffee-to-go-Becher in der Grünanlage sind für sie nicht einfach nur unliebsame Überreste einer Wegwerfgesellschaft, sondern es sind "Artefakte", die sie "in situ" aufspürt. So nennen es Archäologen, wenn sie von Menschenhand erschaffene Gegenstände am Ort ihrer ursprünglichen Nutzung finden. In diesem Fall, am Ort ihrer unsachgemäßen Entsorgung.

Wenn die Selbstauskünfte nicht mit dem wahren Konsumverhalten übereinstimmen

Becker studierte neben Religionswissenschaften, Archäologie sowie Ur- und Frühgeschichte. Promoviert wurde sie an der Humboldt-Universität mit ihrer Dissertation über die altmongolische Hauptstadt Karakorum. Sie war an Grabungen im In- und Ausland beteiligt und arbeitete unter anderem für verschiedene Landesämter für Denkmalpflege im Osten Deutschlands.


„Die Menschen lassen ihren Müll hinter einer Barriere verschwinden.“
Eva Becker

Seit 2011 hat sich Becker jedoch ganz der Müllarchäologie verschrieben - freiberuflich, ohne Lehrstuhl oder offiziellen Forschungsauftrag. Müllarchäologie im Sinne Beckers spielt in Deutschland wissenschaftlich keine Rolle. In den USA hingegen entwickelte der Archäologe William L. Rathje bereits in den 1970er Jahren mit dem "garbage project" erstmals wissenschaftliche Methoden. So konnte Rathje belegen, dass die Selbstauskünfte von Amerikanern nicht mit ihrem wahren Konsumverhalten übereinstimmen. Ihr Müll strafte sie Lügen.

Becker ist sich sicher, dass die Erkenntnisse der Müllarchäologie auch für Stadtplaner von Interesse wären. Überhaupt müsse das Thema interdisziplinär betrachtet werden. Beim Müll gehe es auch um Psychologie. Die Bequemlichkeit des Menschen sei der Hauptgrund dafür, dass der so achtlos weggeworfen werde. Allerdings nicht ganz achtlos. Es gibt auffällige Gemeinsamkeiten: Im Gebüsch oder hinter Bauzäunen finde sich auffällig oft und viel Abfall. "Die Menschen lassen ihren Müll hinter einer Barriere verschwinden." Aus den Augen aus dem Sinn. Ginge es nach Becker, dann würde der angemessene Umgang mit dem Müll verstärkt in der Schule thematisiert werden. Sie selbst hat dies an mehreren Berliner Schulen in Projekten mit Schülern getan. Becker bietet auch Fortbildungen für Erwachsene an. "Aber dafür interessiert sich so gut wie niemand", konstatiert sie.

Eva Becker hat aber auch andere archäologische Interessen. Im vergangenen Jahr publizierte sie einen schmalen Band über das Mahlsteinmuseum im brandenburgischen Neu-Kleinow. Damit war sie aber wieder ganz nah bei ihrer Passion. Das Wort Müll leitet sich nämlich vom althochdeutschen "mullen" (zerstoßen, zerreiben) ab. So wie der Müller.


Müllwerker Ali: "Einer macht das ja alles sauber."

Er leuchtet von weitem. Ali (Name geändert) ist komplett in orange gekleidet bis hin zur Baseballkappe über seinem graumelierten Haar. Mit Harke, Schaufel, Besen, Müllzange ausgestattet, kehrt er zusammen, was andere einfach in die Gegend gefeuert haben: Flaschen, Scherben, sperrige Pizzakartons, Zigarettenkippen, Essensreste. Nichts, was es nicht gäbe. Alles wandert in die Müllbeutel auf seinem Karren. Eigentlich ein Job zum Ärgern. Doch Ali ist froh, dass er ihn hat. "Ich liebe die Freiheit, das selbstständige Arbeiten, die Luft", gewinnt er seinem Beruf Gutes ab.

Jeden Morgen der gleiche Anblick: Grundreiniger Ali bei der Arbeit.   Foto: Almut Lüder

Morgens 7 Uhr im Hochsommer. Geschäftiges Treiben in dem zehn Hektar großen Park an der Westseite des Lietzensees in Berlin-Charlottenburg. Der Fischreiher fliegt verdächtig tief über der Wasseroberfläche. Jogger machen sich fit für den Tag, häufig mit Hunden im Schlepptau, Fahrradfahrer kürzen den Weg zur Arbeit ab. Ein Mann in schwarzen Sportklamotten, Ohren verstöpselt, Augen verschlossen, schwingt seine Hüften im Hula-Hoop-Reifen. "Der Bauch muss weg", sagt er streng. Ali kennt ihn längst.

Die Schicht des "Grundreinigers" von der Berliner Stadtreinigung (BSR) beginnt um 5:30 Uhr. Er hat seine feste Tour, kennt die Ecken, wo der Müll sich häuft. Heute hat er Glück, denn es war kalt am Vorabend. Das hat weniger Besucher als sonst in den 100 Jahre alten Park gelockt, die auf den Wiesen gern picknicken. Abends ist das Klientel ein anderes als morgens. Man hat Zeit, man will Spaß haben. Einige junge Leute haben Flunkyball gespielt, ein Paar hat sich galant beim Standardtanz gedreht.

6.500 Mitarbeiter arbeiten in Berlin bei der Straßenreinigung, Müllabfuhr und Co.

Seit zwei Jahren macht Ali den Job am frühen Morgen, seit kurzem in Festanstellung. In Lohngruppe V3 ist er, das bedeutet nach Angabe der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di 2.375 Euro brutto im Monat. Allein in Berlin gibt es laut ver.di rund 6.500 Mitarbeiter, die bei der Straßenreinigung, Müllabfuhr und in Anlagebetrieben arbeiten, bundesweit sind es nach Statistischem Bundesamt 165.000. Der 54-jährige Ali ist verheiratet, Kinder hat er keine. Er ist in der Türkei geboren, lebt seit fast 40 Jahren in Deutschland, spricht gut deutsch. Einen Beruf habe er nicht gelernt. Aber den Müll übersieht der Brillenträger nicht. Keine Kippe entgeht ihm. Er selbst ist Raucher. Seine Kippen in die Gegend schmeißen? Das komme ihm nicht in den Sinn. Seine Frau zuhause trenne den Müll.


„Denen ist das alles egal. Einer macht ja alles sauber.“
Ali

Ein Elektroauto mit gefülltem Müllanhänger und zwei Kollegen aus einer anderen Ecke des Parks nähert sich ihm. Kurzer Plausch zwischen den Dreien. Die zwei Kollegen wettern: "Waren Sie schon mal in der Hasenheide in Neukölln? Dagegen ist das hier nix." Einer setzt fort: "Das sind alles Idioten. Da reden Se gegen ne Wand." Ali kommt auf seinen Park zu sprechen: "Einer macht das ja alles sauber."

Dabei gibt es im Lietzenseepark etliche Papierkörbe und seit einiger Zeit zusätzlich große Mülltonnen für die sperrigen Pizzakartons. Sie werden täglich von der BSR geleert. Heute sind die Papierkörbe ziemlich leer. Trotzdem liegt der Müll im idyllischen Park herum. Ein Eldorado für Mäuse und Ratten. Das Bezirksamt hat gerade wieder veranlasst, Rattengift in dem Park auszustreuen. Ali sucht nach Gründen für das Verhalten der Besucher. Er führt es auf den Alkoholkonsum der Feierwütigen zurück. Es sei ihnen egal, was mit dem Müll passiert, obwohl doch jedes Kind wisse, wie sehr die Umwelt leidet.

Man kennt die Ecken, in denen sich der Unrat sammelt

Pater Reinhold Wehner, der viele Jahre in der Kommunität der Jesuiten am Lietzensee gewohnt und sich ehrenamtlich um das Wohlergehen der Parkpflanzen gekümmert hat, erlebte die Vermüllung des Parks hautnah. Er klingt resigniert. Sich mit den Umweltsündern anzulegen, habe er sich abgewöhnt. "Es sind ja meist Gruppen. Und wenn man die auf ihr Fehlverhalten anspricht, reagieren einzelne mit: Verpiss dich!" 

Gleichwohl sieht er, dass der Park sauberer geworden ist, seit die BSR da ist. Norbert Voß, Vorsitzender vom Verein "Bürger für den Lietzensee e.V.', lobt: "Die BSR setzt immer die gleichen Leute ein. Die kennen sich aus. Es ist ein vertrauensvolles Miteinander." In den jungen "Parkläufern" der Bezirksverwaltung erkenne er zwar den guten Willen, in der Anlage Präsenz zu zeigen, sie seien aber "keine Autoritätspersonen." Wenn ein Polizist in Uniform regelmäßig da wäre, hätte das mehr Wirkung.

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Eigentlich haben sich die Länder auf Strafen für Müllsünder verständigt. Wildes Zigarettenkippen wegwerfen soll in Berlin bis zu 35 Euro kosten. Welcher Frevler wird da schon mal zur Kasse gebeten? Hinzu kommt der schwer verrottbare Plastikmüll. Nach Angaben von Greenpeace werden in den Weltmeeren mindestens 150 Millionen Tonnen Plastikmüll vermutet. 

Pater Wehner hat beobachtet, wie selbst im relativ flachen Lietzensee alte Fahrräder, Autoreifen und anderer Unrat von Umweltfreunden geborgen werden mussten. Seit Juli dieses Jahres setzt Deutschland die Einwegkunststoffrichtlinie der EU um, wonach Produkte wie Besteck, Teller, Trinkhalme, To-Go-Lebensmittelbehältnisse aus Polystyrol nicht mehr in Verkehr gebracht werden dürfen. Bis sich das auf Alis Schaufel bemerkbar machen wird, werden noch einige Schichten vergehen.