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Kurz rezensiert : Das gefährliche Milliardengeschäft mit dem Müll

Der Journalist Alexander Clapp beschreibt in seinem Buch "Der Krieg um unseren Müll" die Schattenseiten des globalen Müllhandels.

15.01.2026
True 2026-01-15T08:49:46.3600Z
2 Min

Ob Handy, Drucker oder Waschmaschine - einmal defekt, ist der Ersatz schnell bestellt und geliefert. Das Altgerät entsorgt oftmals der Händler. Doch wo und wie genau, das interessiert die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher kaum. Dabei zeigt allein ein Blick in die Statistik, dass da etwas nicht stimmt: Seit Jahren sinkt in Deutschland die Menge des gesammelten Elektroschrotts, während die Zahl der verkauften Neugeräte steigt. Wo bleibt der Rest?

Alexander Clapp untersuchte das genauer. Zwei Jahre lang folgte der Journalist den Spuren des Abfalls der westlichen Zivilisation - Giftmüll, Elektroschrott und Plastik - über fünf Kontinente hinweg.

Organisiertes Verbrechen zeigt Interesse am Milliardengeschäft mit dem Müll

Das Ergebnis seiner Recherchen ist keine leichte Lektüre. Clapps Buch "Der Krieg um unseren Müll" beleuchtet die Schattenseiten des internationalen Handels mit Müll, einem Milliardengeschäft, an dem die Hochfinanz wie das Organisierte Verbrechen Interesse zeigen. Müllhandel, das belegt das Buch, ist kein neues Phänomen, aber eines mit nach wie vor verheerenden Folgen für Umwelt und Gesundheit.


Alexander Clapp:
Der Krieg um unseren Müll.
Abgründe eines globalen Milliardengeschäfts.
S. Fischer,
Frankfurt/M. 2025;
400 Seiten, 26,00 €


Seit Jahrzehnten exportieren reiche Länder Abfall in arme Länder im globalen Süden - oder, wie im Fall der Bundesrepublik, nach Osten. Nach dem Motto "Dreck gegen Devisen", schaffte sie in den 1970er und 1980er Jahren Westberlins Müll zum kleinen Preis in die DDR. War es zunächst Giftmüll, von dem sie sich viele westliche Staaten auf ähnliche Weise entledigten, kamen später Plastik und Elektrogeräte hinzu. Das Basler Abkommen von 1989 beschränkt zwar als erstes internationales Regelwerk dieser Art die Ausfuhr von Giftmüll in Entwicklungsländer. Doch Plastik und Elektroschrott werden bis heute dorthin aus vielen Ländern ganz legal zum Recycling transportiert.

Belastungen für Wasser und Nahrung, Risiken für Gesundheit und Leben

Was die Hinterlassenschaften unserer Wegwerfgesellschaft anrichten, führen Clapps Reportagen eindringlich vor Augen. Er beschreibt, wie die giftigen Zusätze des sich meterhoch auftürmenden Plastiks auf der indonesischen Insel Java Wasser und Nahrung belasten, wie Arbeiter etwa im ghanaischen Elektroschrott-Slum Agbogbloshie oder in der Abwrackwerft im türkischen Aliaga tagtäglich Gesundheit und Leben riskieren, weil sie beim Zerlegen von Maschinen und Schiffen Schwermetallen und giftigen Gasen schutzlos ausgesetzt sind.

Was dagegen tun? Clapp fordert eine Debatte darüber, was wir eigentlich wegwerfen. Vieles davon enthalte Gift- und Schadstoffe, die "viele Aspekte des 'Recyclings' als das enthüllen, was es ist", so Clapp: “die Fortsetzung des Giftmüllhandels”, der doch schon als überwunden galt. 

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