Vor 55 Jahren : Kapitulation vor langen Haaren
Im Ausland sorgten sie als "German Hair Force" für Belustigung: Ab dem 8. Februar 1971 durften Soldaten durch den Haarnetz-Erlass ihre langen Haare behalten.
Die Hippies, die Beatles, Fußballgrößen wie Günter Netzer oder der Ex-US-Soldat Elvis Presley: Anfang der 1970er Jahre trug der modische Mann die Haare lang. Nur in der Bundeswehr hieß es strikt: Haare ab!
Wer sich für seine Zeit bei der Bundeswehr nicht von seinen langen Haaren trennen wollte, konnte ab Februar 1971 stattdessen ein Haarnetz nutzen (r.). Doch schon im Mai 1972 wurde der sogenannte Haarnetz-Erlass zurückgenommen.
Doch kurzgeschoren und ausrasiert wollten die jungen Soldaten, die ein neues Selbstbewusstsein als Staatsbürger in Uniform entwickelt hatten, nicht sein. Schließlich gab Verteidigungsminister Helmut Schmidt (SPD) nach und erlaubte mit dem Haarnetz-Erlass am 8. Februar 1971 das Tragen langer Haare bei der Bundeswehr.
Allerdings musste die Mähne mit einem Haarnetz im Zaum gehalten werden. Die Truppe könne "in ihrem Erscheinungsbild die Entwicklung des allgemeinen Geschmacks nicht unberücksichtigt lassen", so Schmidt.
Kommission spricht sich gegen langhaarige Soldaten aus
740.000 olivgrüne Nylon-Haarnetze wurden angeschafft. Doch Ruhe kehrte an der Frisurenfront nicht ein. Im Ausland wurde über die "German Hair Force" gespottet. Und eine Haarnetz-Kommission der militärischen Führung fand Argumente gegen langhaarige Soldaten. Man hatte gesundheitliche Bedenken, aber auch ganz pragmatische: höherer Wasserverbrauch und verstopfte Abflussleitungen etwa.
Im Mai 1972 trat Schmidt den Rückzug an. "Das Haarnetz hat infolge mangelnder Belüftung die bei langen Haaren festzustellende Verfettung und Verschmutzung noch verstärkt", hieß es aus dem Verteidigungsministerium. Zudem würden Hauterkrankungen oder Parasitenbefall "begünstigt". So galt wieder: Ohren und Uniformkragen müssen haarfrei bleiben.
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