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Aschot Manutscharjan

Als Austauschstudent erlebte der gebürtige Münchener Yascha Mounk, dass selbst inklusiv orientierte Eliteuniversitäten wie die Columbia in New York entlang ethnischer Gräben gespalten sind: "Schwarze Studierende saßen meistens neben anderen Schwarzen, Weiße hatten im Wesentlichen weiße Freunde." Über die Folgen der Rassentrennung auf die Innenpolitik der USA wurde schon viel geschrieben. Mounk verfolgt einen anderen Ansatz: Er will die amerikanischen Verhältnisse mit der gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland und Europa vergleichen. Dazu analysiert er ein in der europäischen Geschichte einmaliges Experiment: Die Transformation der monoethnischen und monokulturellen Demokratien in multiethnische Gesellschaften, als Ergebnis einer massenhaften Einwanderung.

Mounk beobachtet die Entstehung neuer Gemeinschaften, die sich nicht durch die Einwanderer bedroht fühlen, sondern durch einheimische Rechte. Diese neue Gesellschaft bezeichnet der Wissenschaftler als "diverse Demokratien": Die Mitglieder verschiedener Gruppen entwickeln ein echtes Zusammengehörigkeitsgefühl, das ihnen den Aufbau einer fairen Demokratie erleichtert. Mit überzeugenden Argumenten zeigt Mounk, dass diverse Demokratien keineswegs den Niedergang der staatlichen Ordnung oder Wohlstandsverluste bedeuten müssen. Zu den Stärken des Buches gehört es, dass er das Spannungsverhältnis zwischen Diversität und Demokratie klar benennt. Demokratien müssten Streit zwischen allen gesellschaftlichen Gruppen "ohne Scheuklappen" wahrnehmen.

Mounk lehrt Internationale Politik an der Johns Hopkins University und wurde durch sein Buch "Der Zerfall der Demokratie" bekannt. Die angelsächsische Methode, komplizierte politikwissenschaftliche Sachverhalte interessant und verständlich darzulegen, machen das Buch zu einer empfehlenswerten Lektüre.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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