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Mehr Befugnisse für Apotheker : Ärzte sind wenig begeistert von Kompetenzgerangel

Mit gesetzlichen Änderungen sollen Apotheken wirtschaftlich gestärkt werden. In einer Anhörung wiesen Experten jedoch auf einige Knackpunkte der Apothekenreform hin.

05.03.2026
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3 Min

Bei Diskussionen über die geplante Apothekenreform steht gerade immer ein "Elefant im Raum". Auch wenn die von den Apotheken verlangte Honoraranhebung (Fixum) nicht Bestandteil des Gesetzes oder der dazu geplanten Verordnung ist, steht sie doch im Mittelpunkt des Interesses. So war es auch am Mittwoch bei der Expertenanhörung über den Gesetzentwurf der Bundesregierung, wobei einige Sachverständige den Nachteil eines höheren Fixums erläuterten und den Apothekern damit unbarmherzig in die Parade fuhren.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) machte deutlich, wie zentral die Honorarforderung ist. Seit 13 Jahren seien die Honorare eingefroren, das Fixum sei zuletzt 2013 angepasst worden. Seither seien die durchschnittlichen Betriebskosten um rund 65 Prozent gestiegen. Die wirtschaftliche Grundlage zahlreicher Betriebe sei dadurch akut gefährdet.

Foto: picture alliance / ZB

Ein möglichst kurzer Weg zur Apotheke ist für viele Menschen wichtig.

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stellte hingegen mit Blick auf die mögliche Anhebung des Fixums auf 9,50 Euro klar, dass eine pauschale Erhöhung der Vergütung für alle Apotheken, auch die mit sehr hohen Umsätzen sowie Versandapotheken mit hohen Skalierungsmöglichkeiten, nicht zu rechtfertigen sei. 

Bei rund 640 Millionen Fertigarzneimittelpackungen hätten schon kleinere Anpassungen bei der Vergütung große Auswirkungen. Der Spitzenverband forderte ein abgestuftes Vorgehen inklusive der Möglichkeit der Absenkung des Fixums für wirtschaftlich starke Apotheken.

Warnung vor ineffizienten Doppelstrukturen durch die Apothekenrefom

Der AOK-Bundesverband warnte vor absehbar höheren Kosten und Doppelstrukturen durch die Reform. Während mit der Einführung einer Primärarztversorgung gerade der Weg beschritten werde, die Komplexität des Systems zu reduzieren, werde mit neuen pharmazeutischen Dienstleistungen ein paralleler Leistungsstrang aufgebaut. Die AOK rechnete vor, dass ein Fixum von 9,50 Euro Mehrausgaben von rund einer Milliarde Euro bedeuten würde.

Die Freie Apothekerschaft lehnt eine Vertretung des Apothekenbetreibers durch pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) ab. Die persönliche Leitung der Apotheke bedeute ausnahmslos die Anwesenheit des Apothekers. Ferner müssten sogenannte Nullretaxationen bis auf Extremfälle ausgeschlossen werden. Der Bundesverband PTA lehnt die PTA-Vertretung ebenfalls ab, weil im Entwurf auf eine verpflichtende Zusatzqualifikation verzichtet werde. Eine Vertretung der Apothekenleitung bedeute immer eine erhöhte rechtliche Verantwortung, organisatorische Leitungskompetenz, eine eigenständige Risikobewertung, Qualitätssicherung und Aufsicht über Personal. Diese zusätzliche Verantwortung erfordere zwingend mehr Wissen.

Aushöhlung ärztlicher Kompetenzen befürchtet

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Nach Ansicht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) droht mit der Reform eine Aushöhlung ärztlicher Kompetenzen. Die Übernahme von originär ärztlichen Aufgaben durch Apotheker konterkariere die Bestrebungen nach einer effizienteren Steuerung im Gesundheitswesen. Die neu eingeführten pharmazeutischen Dienstleistungen verschöben die Grenze zwischen ärztlicher und pharmazeutischer Tätigkeit und stellten, genau wie bei den Impfleistungen, einen Verstoß gegen den Arztvorbehalt für die Ausübung der Heilkunde dar. Auch die Bundesärztekammer (BÄK) warnte vor einer Verordnung von verschreibungspflichtigen Medikamenten durch Apotheker. Die Diagnose erfordere Kompetenz zur ärztlichen Anamnese und differenzialdiagnostischen Abklärung. Diese ärztlichen Kernkompetenzen seien zwingend erforderlich.

Die Erreichbarkeit der Apotheken ist weiterhin sehr gut

Iris an der Heiden vom IGES Forschungsinstitut sagte, die Erreichbarkeit von Apotheken sei trotz der Standortschließungen sehr gut. Die meisten Menschen könnten eine Apotheke innerhalb von wenigen Minuten erreichen. Die Untersuchungen des Instituts hätten auch gezeigt, dass es keine überproportionale Standortaufgabe im ländlichen Raum gebe.

Vielmehr hätten Apothekenschließungen mit Konsolidierung und einem Verdrängungswettbewerb zu tun. Eine pauschale Erhöhung des Fixums würde nicht gezielt gegen Faktoren wirken, die zu einer Standortschließung führen. Von einem höheren Fixum würden vor allem Apotheken mit hoher Kundenfrequenz und Versandapotheken profitieren.

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