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Weniger Bürokratie, mehr Eigenverantwortung : Reform der Apothekenversorgung

Präsenzapotheken sollen einem Gesetzentwurf der Bundesregierung zufolge wirtschaftlich gestärkt werden - die Apotheker erwarten aber vor allem ein höheres Honorar.

27.02.2026
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2 Min

Apotheker fühlen sich von der Politik ungehört. Seit Jahren schon warnen sie auch mit Blick auf den demografischen Wandel vor einem Versorgungsproblem in der Fläche, sollten sich ihre Geschäftsbedingungen nicht verbessern. Nach Darstellung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) rangieren die Einnahmen vieler Apotheken unterhalb dessen, was langfristig für einen Betrieb nötig ist.

In vielen Fällen, warnen die Pharmazeuten, lohnt sich der Betrieb von Apotheken nicht mehr, obgleich sie teilweise hohe Umsätze erwirtschaften. Die Zahl der Präsenzapotheken geht seit Jahren zurück: von 20.249 im Jahr 2015 auf 17.041 Apotheken im Jahr 2024, wie aus Daten der ABDA von 2025 hervorgeht.

Foto: picture alliance / photothek.de

Die pharmazeutische Kompetenz der Apotheker wird sehr geschätzt und soll künftig im Sinne der Patienten noch effektiver eingesetzt werden.

Im Schnitt erwirtschaften Apotheken den Angaben zufolge rund 3,7 Millionen Euro Nettoumsatz pro Jahr, allerdings mit einer breiten Streuung. Rund 60 Prozent der Apotheken bleiben unterhalb dieser Marke, während einige große Apotheken auf erheblich mehr Umsatz kommen. Insgesamt lag der Apotheken-Umsatz 2024 bei rund 70,4 Milliarden Euro.

Hohe Kosten drücken den Gewinn der Pharmazeuten

Allein 80 Prozent des Umsatzes entfällt auf den Wareneinsatz, hinzu kommen Personalkosten, Investitionen, Steuern sowie Aufwendungen für die Altersvorsorge und die Krankenversicherung. Nach Berechnungen der ABDA schrieben 2024 etwa 6,5 Prozent der Apotheken rote Zahlen, weitere 19,3 Prozent kamen auf Betriebsergebnisse, die nicht als dauerhaft tragfähig gelten.

Um auskömmlich arbeiten zu können, ist aus Sicht der Apotheker mehr Honorar nötig. Gemeint ist damit vor allem der sogenannte Fixzuschlag von derzeit 8,35 Euro pro Medikamentenpackung.

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Nach Ansicht des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), der Interessenvertretung der Apothekenleiter, werden die Präsenzapotheken kaputtgespart. Der DAV-Vorsitzende Hans-Peter Hubmann erklärte unlängst: "Seit 2013 musste jede fünfte Apotheke schließen, weil die Kosten um 65 Prozent gestiegen sind. Damals wurde das Festhonorar auf 8,35 Euro pro Packung festgesetzt, aber seitdem von der Politik nicht mehr angerührt."

Die Apotheker nehmen den Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Weiterentwicklung der Apothekenversorgung (ApoVWG), der am Freitag in erster Lesung beraten wurde, daher vermutlich mit gemischten Gefühlen auf, denn ein höherer Fixzuschlag ist vorerst nicht vorgesehen.

Novelle sieht mehr Befugnisse für Apotheken vor

Auf die Bitte des Bundesrates, das Apothekenpackungsfixum von derzeit 8,35 Euro auf 9,50 Euro anzuheben, erwiderte die Bundesregierung, vor dem Hintergrund der finanziellen Auswirkungen auf die GKV und deren aktueller Finanzsituation müsse die Umsetzung dieser im Koalitionsvertrag vorgesehenen Änderung momentan zurückgestellt werden.

Stattdessen sieht der Gesetzentwurf zahlreiche Regelungen vor, um die Präsenzapotheken von Bürokratie zu befreien und sie betriebswirtschaftlich zu stärken. Zugleich sollen Apotheken mehr Befugnisse bekommen. Die pharmazeutische Expertise soll künftig besser genutzt werden, etwa zur Prävention. Die Eigenverantwortung der Apotheker wird hervorgehoben. Nächste Woche Mittwoch kommen dann die Experten in einer Anhörung zu Wort.