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Warnung vor regionaler Ausbreitung : Schwerer Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo

Hunderte Verdachtsfälle, steigende Todeszahlen: Die WHO hat die internationale Gesundheitsnotlage ausgerufen. Ministerin Warken sieht keine Gefahr für Deutschland.

19.05.2026
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5 Min

In der Demokratischen Republik Kongo (früher Zaire) ist es erneut zu einem Ebola-Ausbruch gekommen. Nach Auskunft der Weltgesundheitsorganisation (WHO) handelt es sich diesmal um die seltene Virusvariante Bundibugyo, gegen die weder ein Impfstoff noch eine Therapie verfügbar ist. Inzwischen hat wegen des Ebola-Ausbruchs die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union (CDC) für den gesamten afrikanischen Kontinent den Notstand ausgerufen. 

WHO ruft Gesundheitsnotlage aus - Provinz Ituri im Kongo ist betroffen

Die WHO rief am Sonntag wegen des Ausbruchs eine internationale Gesundheitsnotlage aus, die jedoch nach den Internationen Gesundheitsvorschriften (IGV) nicht die Kriterien eines Pandemienotstands erfülle. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde Africa CDC wurden am Wochenende 336 Verdachtsfälle und 88 Todesfälle registriert, darunter ein Fall im benachbarten Uganda. 

Foto: picture alliance / REUTERS

An der Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda wird die Körpertemperatur der Ein- und Ausreisenden gemessen.

Die WHO ordnete den Ausbruch als Public Health Emergency of International Concern (PHEIC) ein (Gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite) und sprach von einem „außergewöhnlichen Ereignis“. 

In der Provinz Ituri der DR Kongo seien acht laborbestätigte Fälle gemeldet worden, 246 Verdachtsfälle und 80 mutmaßliche Todesfälle in mindestens drei Gesundheitszonen (Bunia, Rwampara und Mongbwalu). Ferner seien in Kampala (Uganda) zwei laborbestätigte Fälle, darunter ein Todesfall, ohne erkennbaren Zusammenhang gemeldet worden. Die betroffenen Personen waren  aus der DR Kongo eingereist. 

Sorge wegen zunehmender Menge von Verdachtsfällen

Die Lage ist derzeit dynamisch. Der Gesundheitsminister der DR Kongo, Samuel Roger Kamba, sprach am Dienstag von 131 Toten und 513 Verdachtsfällen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus äußerte sich in Genf "sehr besorgt" über das "Ausmaß und die Geschwindigkeit" der Ebola-Ausbreitung.

Derzeit bestünden erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich der tatsächlichen Anzahl der Infizierten und der geografischen Ausbreitung, teilte die WHO mit. Die hohe Positivrate der ersten Proben, die Bestätigung von Fällen in Kampala und Kinshasa, die zunehmende Meldung von Verdachtsfällen und die Häufung von Todesfällen in der Provinz Ituri deuteten „auf einen potenziell viel größeren Ausbruch hin“, als bisher bekannt sei, mit einem erheblichen lokalen und regionalen Ausbreitungsrisiko. 

Mobilität vergrößert Ausbreitungsrisiko - Ruanda schließt Grenze zum Kongo

Die hohe Mobilität in der Bevölkerung und das große Netz an informellen Gesundheitseinrichtungen erhöhten das Ausbreitungsrisiko zusätzlich, hieß es. Nach Einschätzung der WHO erfordert der Ausbruch eine internationale Koordinierung und Zusammenarbeit, um das Ausmaß zu analysieren und die nötige Überwachung, Prävention und Reaktion zu koordinieren. 


Trish Newport im Porträt
Foto: Fanny Hostettler
„Die Zahl der Fälle und Todesfälle, die wir in so kurzer Zeit beobachten, ist äußerst besorgniserregend.“
Trish Newport (Ärzte ohne Grenzen)

Das Africa CDC unterstützt nach eigenen Angaben die Koordination, um Laborinformationen, Kontaktmanagement und grenzüberschreitende Risikobewertungen in betroffenen und gefährdeten Gebieten aufeinander abzustimmen. Die Generaldirektorin des Africa CDC, Jean Kaseya, erklärte, die Situation erfordere schnelles Handeln und regionale Solidarität. Die Provinz Ituri grenzt den Angaben zufolge an Uganda und den Südsudan. Ruanda hat am Sonntag seine Grenze zum Kongo geschlossen, wie die dortigen Behörden mitteilten.

Zugang zu medizinischer Versorgung ist in der Provinz Ituri schwierig

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen, die schon bei vorhergehenden Ausbrüchen im Kongo geholfen hat, äußerte sich sehr besorgt über die Lage vor Ort. Die Leiterin des Nothilfeprogramms, Trish Newport, erklärte: „Die Zahl der Fälle und Todesfälle, die wir in so kurzer Zeit beobachten, ist äußerst besorgniserregend. Dazu kommt die Ausbreitung über mehrere Gesundheitszonen hinweg und nun auch über die Grenze hinweg in Uganda.“ 

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In der Provinz Ituri sei der Zugang zu medizinischer Versorgung bereits schwierig. Entscheidend sei ein schnelles Vorgehen gegen den Ebola-Ausbruch. In Ituri ermitteln den Angaben zufolge Teams von Ärzte ohne Grenzen den medizinischen Bedarf in den betroffenen Gebieten und arbeiten eng mit den kongolesischen Gesundheitsbehörden zusammen.

Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen liegt die geschätzte Sterblichkeitsrate des Bundibugyo-Stammes zwischen 25 und 40 Prozent. Es handele sich um den dritten Ausbruch des Bundibugyo-Stammes nach Ausbrüchen in Uganda in den Jahren 2007–2008 und in der DR Kongo 2012. Der aktuelle Ausbruch sei der siebzehnte im Kongo seit der Entdeckung des ersten Falls 1976.

Gesundheitsministerin Warken sieht keine Gefahr für Deutschland

Für Deutschland besteht nach Einschätzung der Bundesregierung keine unmittelbare Gefahr durch den Ebola-Ausbruch. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte am Sonntag in der ARD, das Risiko hierzulande sei "als äußerst gering einzuschätzen". Spezielle Vorkehrungen seien nicht nötig. Eine globale Ebola-Pandemie sei "nahezu ausgeschlossen". Sie fügte hinzu, die internationale Gesundheitsnotlage solle vor allem die Behörden in den betroffenen Regionen unterstützen und die Eindämmung erleichtern. Es handele sich um ein örtlich begrenztes Geschehen.

Zugleich stellte Warken der betroffenen Region mögliche Hilfslieferungen in Aussicht. Zwar gebe es noch kein offizielles Ersuchen des Landes, "aber wir wären auf jeden Fall vorbereitet", sagte sie rbb24. Das Robert-Koch-Instituts (RKI) stehe dafür ebenso bereit wie das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Denkbar wäre etwa die Lieferung mobiler Labore. Zudem soll ein mit dem Ebola-Virus infizierter US-Bürger zur Behandlung nach Deutschland gebracht werden, wie das Bundesgesundheitsministerium am Dienstag bestätigte.

Fünf Varianten des Ebola-Virus sind bekannt

Ebola ist eine lebensbedrohliche Infektionskrankheit, die zu den hämorrhagischen Fiebererkrankungen gehört und durch das Ebola-Virus verursacht wird. Benannt ist das Virus nach dem Fluss Ebola, wo in den 1970er Jahren erstmals ein Ausbruch registriert wurde. 

Es sind nach Angaben des RKI fünf unterschiedlich gefährliche Varianten des Virus bekannt: der Zaire-Typ, der Sudan-Typ, der Taï Forest-Typ, der Bundibugyo-Typ und der Reston-Typ. Die Zaire-Variante ist mit einer Sterblichkeit von bis zu 90 Prozent der gefährlichste Subtyp, dagegen gibt es inzwischen einen Impfstoff. Die Reston-Variante ist für Menschen hingegen in der Regel ungefährlich.

Übersprung des Virus durch Buschfleisch ist möglich

Der bislang größte Ebola-Ausbruch wurde laut RKI 2014/2015 in Westafrika registriert und forderte mehr als 11.000 Todesopfer. Verursacht wurde der Ausbruch damals durch den Zaire-Typ. 2022/2023 sowie 2025 ist es in Uganda zu Ebola-Ausbrüchen durch den Sudan-Typ gekommen.

Woher das Ebola-Virus stammt, ist unklar, als Reservoir gelten nach Angaben des RKI Flughunde oder Fledermäuse. Experten verweisen darauf, dass Ebolaviren in Abständen auftauchen und dann wieder „verschwinden“. Bei Ebola handelt es sich um eine Zoonose, eine Infektion von Tieren auf Menschen. Als eine Hauptursache für den „Übersprung“ des Virus vom Tier zum Menschen gilt der Kontakt zu sogenanntem Buschfleisch, also der Verzehr von Affen oder Flughunden.

Eine Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch ist durch direkten körperlichen Kontakt zu Erkrankten oder Verstorbenen, insbesondere durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten möglich: Blut, Speichel, Schweiß, Urin, Stuhl oder Erbrochenes. Je stärker die Symptome, umso größer ist die Ansteckungs­gefahr. Für eine Übertragung durch die Luft gibt es laut RKI keine Hinweise. Die Inkubationszeit liegt zwischen zwei und 21 Tagen, im Mittel bei sechs bis zehn Tagen.

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