Glosse : Alles eine Frage des Lifestyles!
Teilzeit, Urlaub und Wohlstand unter Vorbehalt: Herzlich willkommen in der Lifestyle-Bürokratie – der deutschen Antwort auf Savoir-vivre.
Nur bei Vorliegen einer besonderen Begründung wird zukünftig noch Lifestyle-Teilzeit genehmigt. Ebenso verhält es sich für Lifestyle-Urlaub, die Lifestyle-Rente, den Lifestyle-Feierabend oder einen Lifestyle-Dienstwagen. Hat sich die mühsam in Vollzeit und mit bald steuerfreien Überstunden erbrachte Leistung auf dem Konto ausgezahlt, darf nicht mehr beliebig über den Wohlstandszuwachs verfügt werden.
Ohne signiertes und vollständig ausgefülltes Antragsformular im digitalen BundID-Portal wird es kein Yoga- Retreat, keine Ayurveda-Massage und keine Wellness-Massage mehr geben. Auch der Kauf von Lifestyle-Produkten oder Lifestyle-Magazinen soll fortan stärker reguliert werden: Mit einer "Lifestyle-Bürokratie" wird endlich die deutsche Antwort auf das französische Savoir-vivre gegeben. Die französische Fähigkeit, den Alltag entspannt angehen zu lassen, den Moment zu genießen und Mahlzeiten zu zelebrieren, hat auch in Deutschland immer mehr Anhänger. Diese sollen aber nicht einfach schalten und walten, wie sie wollen. Jedenfalls nicht, wenn sie das während einer Lifestyle-Teilzeitphase machen.
Beschäftigungslos in die Zukunft
Wenn die ambitionierten Zukunftspläne des Bürokratieabbauministers umgesetzt sind, werden viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in deutschen Verwaltungen und Unternehmen beschäftigungslos und ihnen wird so mit der Lifestyle-Verwaltung ein neues Tätigkeitsfeld gegeben. Für die Produktion sind sie vermutlich ohnehin nicht zu gebrauchen.
Übrigens: Mit einem gesunden Lifestyle könnten 40-jährige Männer im Durchschnitt 23,7 Jahre länger leben als mit einem sehr schädlichen. Bei Frauen beträgt dieser Unterschied 22,6 Jahre, wissen die Kollegen vom "Deutschen Ärzteblatt". Was das mit den leeren Renten- und Pensionskassen macht, ahnen Sie vermutlich.
Mit der Forderung nach Einschränkung von Teilzeitarbeit haben CDU-Politiker eine hitzige Debatte ausgelöst. Auch im Bundestag gab es dafür viel Kritik.
Auch die anderen Fraktionen sehen bei plattformbasierten Essenslieferdiensten Handlungsbedarf, sind sich aber über die nötigen Schritte uneinig.