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Vor 30 Jahren : Nelson Mandela spricht im Parlament

Am 22. Mai 1996 redet der südafrikanische Präsident, Freiheitskämpfer und Friedensnobelpreisträger zu den Abgeordneten im Bundestag.

13.05.2026
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2 Min

Der Applaus war langanhaltend und fraktionsübergreifend. Als der südafrikanische Präsident Nelson Mandela am 22. Mai 1996 den Plenarsaal in Bonn betrat, erhoben sich die Abgeordneten. Der 77-Jährige nahm den warmen Empfang, flankiert von Bundespräsident Roman Herzog, Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth und Bundeskanzler Helmut Kohl (alle CDU), freundlich lächelnd entgegen. Ein Gesichtsausdruck, wie man ihn von dem Freiheitskämpfer und Friedensnobelpreisträger kannte.

Foto: DBT/ Presse Service Steponaitis

Der fünfte ausländische Staatsgast, der vor dem Bundestag sprach: Südafrikas Präsident Nelson Mandela im Gespräch mit Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth.

Mandela, der sein Leben dem Kampf gegen die gewaltsame Rassentrennung in seinem Heimatland gewidmet und sich zumindest teilweise auch zum bewaffneten Widerstand gegen das Regime bekannt hatte, wurde 1964 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. "Ich habe gegen weiße Vorherrschaft gekämpft, und ich habe gegen schwarze Vorherrschaft gekämpft", beendete Jurist Mandela seine Verteidigungsrede vor Gericht. "Ich habe das Ideal der Demokratie und der freien Gesellschaft hochgehalten, in der alle Menschen in Harmonie und mit gleichen Chancen zusammenleben."

Widerstand gegen Menschenverachtung und Unrecht

Mandela wurde zur Symbolfigur für den friedlichen Freiheitskampf der schwarzen Bevölkerung. Mitte der 1980er Jahre wuchs der Druck auf das Regime Südafrikas, das Verbot des African National Congress (ANC), dessen Mitglieder gleichberechtigte Teilhabe mit der weißen Bevölkerung forderten, aufzuheben. Das geschah 1989, ein Jahr später wurde ANC-Mitglied Mandela aus der Haft entlassen.


Norbert Lammert im Porträt
Foto: picture alliance / Soeren Stache/dpa
„Wir verdanken ihm viel.“
Norbert Lammert (CDU)

1993 bekamen "Nicht-Weiße" in Südafrika Bürgerrechte zugesprochen, 1994 wurde Mandela der erste schwarze Präsident seines Landes. Zwei Jahre später begrüßte ihn Süssmuth als "Symbol des Widerstands gegen Menschenverachtung und Unrecht" - erst als fünftes amtierendes ausländisches Staatsoberhaupt, das vor dem Deutschen Bundestag sprechen durfte; nach den US-Präsidenten Richard Nixon 1969 und Ronald Reagan 1982, dem französischen Präsidenten François Mitterrand 1983 und dem israelischen Staatspräsidenten Ezer Weizman 1996. Der südafrikanische Präsident dankte bei seiner Rede in Bonn allen Deutschen, die die Überwindung der Rassentrennung in Südafrika unterstützt hatten und "es möglich gemacht haben, dass wir hier stehen können, als stolze Vertreter einer wahrhaft afrikanischen Regenbogen-Nation".

Lammert: Mandela ist Vorbild für Versöhnungsbereitschaft

Kaum ein Wort verlor Mandela dagegen darüber, dass einige Stimmen in Deutschland - auch aus der Politik - seine Inhaftierung befürworteten und lange hinter dem Regime standen. Auch dass einige dieser Politiker im Vorfeld Vorbehalte gegen Mandelas Rede hatten oder dieser fernblieben, war während seines Deutschlandbesuchs nur am Rande ein Thema. Stattdessen tanzte und sang Mandela: Im Gästehaus Petersberg der Bundesregierung überraschte ihn ein Chor mit Freiheitsliedern in seiner Heimatsprache.

Am 5. Dezember 2013 starb Mandela im Alter von 95 Jahren. "Wir verdanken ihm viel", betonte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) damals. "Sein Vorbild" demonstriere, "welche Entwicklung Befreiungs- und Demokratisierungsprozesse nehmen können, wenn sie von Persönlichkeiten von seiner Kraft, seiner Ausstrahlung und Versöhnungsbereitschaft geprägt werden". 

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